Der BVB erkämpft sich ein 2:0 (2:0) im heimischen Westfalenstadion gegen einen HSV, der den BVB in der zweiten Hälfte vor große Probleme stellt, und muss hoffen, dass der Ausfall von Torschütze Konstantelias nichts Schlimmeres bedeutet. Die Mannschaft von Nico Kovac zeigt aber Charakter und verkraftet auch noch eine rote Karte für Inacio in der 75. Minute und beendet das Spiel auch dank Kobel mit einer Null hinten.

aus dem Westfalenstadion berichtet Oliver Römer

Gespannt wie ein Flitzebogen bin ich heute auf die erste Begegnung in der Bundesliga mit unserer runderneuerten und verjüngten Mannschaft. Die Vorbereitungsspiele inklusive Supercup waren sozusagen Appetitanreger und ich gehe vom Bauchgefühl her ganz anders in die Saison als noch letztes Jahr, wenn auch München gestern die erste Duftmarke mit einem 5:1 gegen Stuttgart gesetzt hat.

Gegner HSV

Der Gegner heute heißt Hamburger Sportverein. Wie schon im letzten Jahr nach ihrem Wiederaufstieg dürften die Mannen von der Elbmetropole auch hoch motiviert sein. Sie werden für unseren Neustart ein paar Körner Sand fürs Getriebe mitbringen. Im letzten Heimspiel gegen den HSV konnte der BVB einen 0:2-Pausenrückstand noch in einen 3:2-Sieg drehen.

Bensebaini und Chukwuemeka nicht dabei

Die Auslosung der Champions League ist gelaufen, die Vorbereitungen für die Auswärtstermine laufen auf Hochtouren in Fankreisen und das Pokalspiel beim HEBC Hamburg am Dienstag steht vor der Tür.

Kovac muss in der Abwehr auf Bensebaini verzichten und daher etwas umbauen. Auch Chukwuemeka fällt angeschlagen aus. Ansonsten steht im Kader fast schon ein Überangebot an Spielern, die sich alle beweisen und für die neue Saison empfehlen wollen.

Mit Kobel im Tor, Svensson, Anton und Gadou in der Abwehr startet der BVB. Davor auf den Außen Ryerson und Beier, in der Mitte Bellingham und Nmecha. Vorne die beiden Griechen Kontantelias und Karetsas sowie zentral Guirassy.

Serhou Guirassy (Borussia Dortmund) erzielt das Tor zum 1:0.
Guirassy ist sofort da

In der 7. Minute der erste Distanzschuss von Nmecha. Aber der BVB fackelt nicht lange und beim nächsten Angriff ist es dann Guirassy, der per Flachschuss von rechts ins linke Eck trifft. Schon mal eine Ansage. Dortmund hält das Tempo weiter hoch. Nmecha treibt weiter an und schließt schon wieder aus der Ferne ab, aber knapp übers Tor. Das sieht gut aus. Viel Ballbesitz. Der BVB legt sich den HSV zurecht.

Martin Adeline (Hamburger SV) (l) und Joane Gadou (Borussia Dortmund) kämpfen um den Ball. 

Im Prinzip wird nur die Hälfte der Hamburger bespielt. Siebzig Prozent Ballbesitz. Selbst wenn der Ball mal über die Mittellinie kommt, ist sofort massive Gegenwehr da. Entweder Gadou, der sogar im Liegen noch den Ball kontrolliert, oder Konstantelias, der den Ball in der Dortmunder Hälfte wegspitzelt und von dort bis in den Hamburger Sechzehner trägt.

Karetsas und Konstantelias tanzen den HSV aus

Karetsas hat das 2:0 auf dem Schlappen, drischt den Ball aber über die Latte. Eine Augenweide, wie er mit seinem kongenialen Partner Konstantelias harmoniert und den HSV austanzt. Dauerfeuer auf das Tor von HSV-Schlussmann Heuer Fernandes. Standing Ovation zwischenzeitlich für die Schwarzgelben. Doch dann muss Beier auf der eigenen Torlinie klären. Kurzes Durchatmen. Aber der Ball wäre eh abseits gewesen.

Giannis Konstantelias (Borussia Dortmund) (l) jubelt nach seinem Tor zum 2:0 mit Konstantinos Karetsas (Borussia Dortmund).

Auch auf der anderen Seite ist Beier dann sofort wieder im Vorwärtsgang im Bilde und stößt in den Sechzehner und steckt auf Konstantelias durch, der den Ball überlegt durch die Beine eines Hamburgers ins Tor zum 2:0 schießt. Das Westfalenstadion kocht und zum Pausenpfiff steht alles um die Schwarzgelben, mit Applaus in die Kabine zu verabschieden. 14:0 Torschüsse sagt das Verhältnis, nicht weil die Hamburger so schlecht sind, sondern der BVB mit klarem Plan und viel Engagement nach vorne spielt.

In der Pause wird Sirtaki gespielt

Der Hamburger Anhang ist zahlreich und lautstark vertreten, muss sich aber der überwältigenden Übermacht des Westfalenstadions beugen. In der Pause wird der Sirtaki eingespielt, alle feiern. Ein Traumstart für den BVB. Weiter so.

Nach der Pause geht es lebendig weiter. Auch der HSV kommt jetzt mal gefährlich zum Abschluss. Kobel kann aber parieren. Auf der anderen Seite haben Karetsas und Kontantelias die Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Dann muss Konstantelias verletzt vom Platz und Sabitzer kommt für ihn. Das trübt die Freude über den Wahnsinnseinstand des Griechen in seinem erst zweiten Spiel für den BVB.

Giannis Konstantelias (Borussia Dortmund) wird untersucht.
Bruch im Spiel durch die Verletzung von Konstantelias

Leichte Verunsicherung auf Seiten des BVB. Die Hamburger werden jetzt mutiger. Daka setzt den Ball an den rechten Pfosten vom Gehäuse von Kobel. Da wünsche ich mir jetzt mehr Gegenwehr und Entlastung. Bei den Aktionen der Dortmunder ist jetzt weniger Druck und Präzision.

Ryerson, Nmecha und Karetsas gehen runter, Veerman, Mane und Inacio kommen. Vielleicht gerade der richtige Moment, um das Spiel neu zu beleben. Fünfzehn Minuten sind noch zu gehen.

Glatt rot für Inacio

Aber gerade gekommen, darf Inacio schon wieder gehen. Er rutscht im Zweikampf mit der Sohle voraus in den Gegner. Glatt rot. Vom Bauchgefühl ist hier jetzt noch was drin für die Hamburger. Schon muss Kobel das erste Mal klären. Das wird jetzt ein Charaktertest für die Mannen von Kovac.

Prates kommt für Beier, der ausgepumpt ist. Es kommt leider kein kontrolliertes Spiel mehr nach vorne zustande. Es regnet und der Ball wird schnell. Polzins Elf nutzt jetzt geschickt das Überzahlspiel aus. Die wenigen Entlastungen nach vorne werden nicht konsequent genug ausgespielt.

Guirassy, Veerman und Prates verpassen das 3:0

Guirassy, Veerman und Prates verpassen nacheinander das dritte Tor. Es werden vier Minuten nachgespielt. Kobel fängt einmal mehr einen Schuss aus der zweiten Reihe ab. Dann pfeift der Schiedsrichter ab. Das war ein hartes Stück Arbeit am Ende für den BVB, der, auch dank Kobel, die Null hinten stehen hat.

Die Dortmunder Spieler jubeln vor den Fans auf der Südtribüne.

Aufgrund der überragenden ersten Halbzeit und des Unterzahlspiels in der zweiten Hälfte geht der Sieg so in Ordnung. Die bittere Pille: der Ausfall von Konstantelias. Man kann nur hoffen, dass die Verletzung nicht so schlimm ist.

Kovac:

„Wir haben heute in der ersten Halbzeit ein richtig richtig gutes Spiel gezeigt. Letzten Endes ist es immer wieder dasselbe: Wenn die eine Mannschaft so gut ist und die andere Mannschaft es nicht hinkriegt, dann sieht es so aus. Erste Halbzeit müssen wir meines Erachtens mehr als 2:0 führen. Das war richtig klasse. In der zweiten Halbzeit gebe ich Merlin recht, da kam der HSV auch sehr viel besser, sehr viel energischer ins Spiel.

Wir haben dort zu viele leichte Ballverluste gehabt, kamen nicht mehr in die Situationen hinein, die wir in der ersten Halbzeit richtig gut gespielt haben. Klar kommt dann auch noch die Verletzung von Delias (Konstantelias) dazu. Das hat uns dann sicherlich auch getroffen, denn man hat schon gesehen, wie wichtig er sein kann und auch ist, in der ersten Halbzeit. Deswegen war das schon ein kleiner Bruch. Aber nichtsdestotrotz bin ich mit der gezeigten Leistung über den Großteil des Spiels zufrieden. Mit einem Sieg in die nächste Runde.“

Bei Konstantelias sieht es laut Kovac nicht gut aus, es wird leider ein Kreuzbandriss vermutet. Eine Untersuchung am morgigen Tage wird Klarheit bringen und evtl. muss personell nochmal auf dem Transfermarkt nachgesteuert werden.

Weiter geht es im DFB-Pokal am Dienstag um 20:45 Uhr im Volksparkstadion gegen den HEBC Hamburg.

Text: Oliver Römer, Bilder: Kirchner Media, David Inderlied