Der BVB verliert das Spiel um den Franz-Beckenbauer-Supercup am Ende knapp, wenn auch verdient, mit 1:2 (0:2) und stößt an seine momentanen Grenzen. Auch wenn diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht aussagekräftig sind und einige gute Phasen im Spiel auf Borussen-Seite dabei waren. Ernüchternd die Effizienz und Dominanz, die die Münchner zeitweise wieder ausgestrahlt haben.
aus dem Westfalenstadion berichtet Oliver Römer
Bayern knapp vorn
Vizemeister gegen Doublesieger, BVB gegen Bayern München heißt die Paarung im diesjährigen Franz-Beckenbauer-Supercup im Westfalenstadion. Die erste Chance, sich auf hohem Niveau einer Standortbestimmung zu stellen. 11 Mal hieß der Gewinner Bayern München, 6 Mal Borussia Dortmund. Im direkten Aufeinandertreffen setzte sich 5 Mal München durch und der BVB 4 Mal. Bei den letzten Titeln hatten aber die Münchener die Nase vorn, wie auch in der Meisterschaft in der letzten Saison deutlich vor dem BVB.
Der erste Titel der Saison
Nichtsdestotrotz: neues Spiel, neues Glück. Der erste Titel der Saison. Definitiv ausfallen wie in aller Munde wird bei den Münchnern Jamal Musialla. Beim BVB sind der Umbruch und die Verjüngungskur vollzogen. Fast schon ein Überangebot für den Kader von Nico Kovac an neuen Spielern, die teils noch nicht viel mit der Mannschaft trainieren konnten. Die ersten Qualitäten der Neuen konnte man z. B. bei Karetsas in der Vorbereitung bestaunen. Was dies aber in der Bundesliga und Champions League für einen Wert haben wird, werden wir erst in ein bis zwei Monaten wissen. Für Nico Kovac: „Geht die Reise in die richtige Richtung.“
Karetsas und Inacio von Beginn an
Mit Kobel im Tor, Gadou, Anton und Bensebaini in der Abwehr geht es gegen die Bayern-Angreifer. Ryerson und Svensson auf den Außen, Bellingham und Nmecha in der Mitte sowie vorne mit Karetsas, Inacio und Guirassy will man dem Rekordmeister Paroli bieten. Ungern würde man den Münchnern das Feiern nach dem Abpfiff im heimischen Westfalenstadion überlassen. Aber wie der Namensstifter des Pokals immer sagte. „Schaun mer mal.“
Die ersten zehn Minuten sind die Borussen diejenigen, die den Ball schneller und gefälliger nach vorne tragen. Die erste richtige Chance entsteht dann in der 12. Minute durch eine Flanke von Karetsas die aber Guirassy und Inacio beide nicht verwerten können. Die Münchner versuchen jetzt, mehr Druck aufzubauen, und setzen sich des Öfteren in der Hälfte der Borussen fest.

Karetsas und Inacio sind oft diejenigen, die auch im Rückwärtsgang die Bälle erobern. Auch den Seitenwechsel aus dem Fuß hat Karetsas drauf. Wie aus dem Nichts ist dann aber die Chance für die Bayern da. Olise setzt sich im Strafraum durch, legt auf Brown ab, der netzt für die Bayern zum 1:0. Die Mannen aus dem Süden spielen jetzt ihre gewohnte Dominanz aus. Mit 70 % Ballbesitz und sechs zu null Torschüssen ist die jetzt sehr deutlich.
Dem BVB fehlt die Effektivität
Immer wieder verpuffen Möglichkeiten, wie bei Svensson, der an eine scharfe Hereingabe nicht mehr herankommt. Ist der Ball dann mal drin wie beim Vorstoß von Guirassy, liegt eine Abseitsstellung vor.
Das 2:0 für die Bayern fällt dann noch vor der Pause durch einen schnellen Vorstoß, den Olise verwertet. Nach anfänglicher Hoffnung auf ein ausgeglicheneres Spiel fällt die Halbzeitbilanz sehr ernüchternd aus. München effektiv und in den richtigen Momenten hellwach, Dortmund im letzten Drittel glücklos.

Zur zweiten Halbzeit kommt Neuzugang Konstantelias für Inacio der sich auch gleich gut einführt und gegen zwei Rote einen Freistoß herausholt. Auch das Zusammenspiel zwischen Karetsas und Konstantelias sieht vielversprechend aus. Man merkt ihnen die Freundschaft an und es macht Spaß ihnen zuzuschauen. Leider ist noch nichts Zählbares dabei herausgekommen. Der BVB erspielt sich jetzt wieder ein leichtes Übergewicht und kann mehrmals gefährlich vors Bayern-Tor kommen.
Nmecha, Karetsas und Guirassy gehen für Beier, Veermann und Silva. Schade eigentlich. Ich hätte die beiden Griechen gerne noch weiter zusammen gesehen. Mal sehen, wie sich Neuzugang Veermann eingliedert, der ja noch gar kein Vorbereitungsspiel mit der Mannschaft absolviert hat.

Ryerson geht für Sabitzer vom Platz. Nach einem schönen Vorstoß von Konstantelias an den Sechzehner und einer schönen Kombination zwischen Svensson und Silva netzt der Portugiese zum 1:2 ein. Noch zehn Minuten sind regulär zu spielen.
Die Münchner erkennen, dass sie wieder mehr machen müssen, und sind prompt wieder mehrmals im Strafraum der Borussen. Aber Kobel kann auch hier retten. Silva per Kopfball auf Neuer. Bensebaini sieht wegen Foulspiels die rote Karte. Ärgerlich. Es werden aber fünf Minuten nachgespielt.

Und Beier hat den Ausgleich auf dem Schlappen. Das Spiel geht hin und her. Kobel steht immer richtig und kann entschärfen, wenn die Bayern wieder vor sein Tor kommen. Dann pfeift der Schiedsrichter ab und am Ende feiern die Bayern verdient.
Hoffnung macht, dass auf Seiten der Borussen noch kein eingespieltes Team stand und sich einige Neue erst noch mehr integrieren müssen. Das griechische Pärchen macht Spaß. Aber die Bayern scheinen bereit für neue Titel.
Nico Kovac:
„Wir sind in die ersten 15, 20 Minuten denke ich gut ins Spiel gekommen, haben dann aber zu viele einfache Ballverluste gehabt. Wir hatten einfach keine Entlastung mehr. Die Bayern wurden sehr stärker und haben uns wirklich sehr laufen lassen. Und wenn du viel läufst, machst du schon das eine oder andere dann auch falsch. Selber haben wir nicht viel kreieren können. Das zweite Gegentor war sehr ärgerlich, da es aus dem eigenen Einwurf entsteht. Die zweite Halbzeit war dann gut. Wir haben uns viel besser gewehrt als in der ersten Hälfte. Wir haben Bayern München sehr viel mehr gefordert und unser Tor richtig gut herausgespielt. Unterm Strich bin ich zufrieden. Bayern München ist ja nicht irgendeine Mannschaft. Wir haben gesehen, wir können noch viel arbeiten, und wir werden noch viel arbeiten.“
In einer Woche am Samstag geht’s dann in der Bundesliga mit einem Heimspiel gegen den HSV um 18:30 Uhr los.
Text: Oliver Römer, Bilder: Kirchner Media, Bahho Kara
