Der BVB fährt am vierten Spieltag in der Ligaphase der Uefa Champions League den dritten Sieg ein und bleibt damit auf Kurs K.o.-Phase. Matchwinner beim 2:1 im ausverkauften Westfalenstadion war Kosta Karetsas, der nicht nur für viel Wind im Dortmunder Angriff sorgte, sondern auch den Siegtreffer erzielte.
Aus dem Westfalenstadion berichtet Falk-Stéphane Dezort
Verlieren verboten. So lautete die Devise vor dem Heimspiel gegen Betis Sevilla am vierten Spieltag der Champions League Ligaphase – vor allem mit Blickt auf das weitere Programm: Arsenal London (A), Inter Mailand (H) und Aston Villa (A). Doch bevor gespielt wurde, wurde es zunächst emotional; nicht nur beim Wiedersehen mit EX-Borusse Marc Bartra, der leider 90 Minuten zum Zusehen verdammt war, sondern auch bei der Schweigeminute im Andenken an das spanische Zugunglück vor einer Woche sowie den tragischen Tod des 30-jährigen Fußballers Jesus de Miguel vom spanischen Zweitligisten Teneriffa. Von der Süd kam ein gellendes Pfeifkonzert, nachdem aus dem Sevilla-Block vermehrt Rufe die Ruhe störten.

Guirassy verletzt raus, Karetsas kommt
Gespielt wurde aber auch, und das zu Beginn äußerst druckvoll: In Person Guirassy, der im Zentrum eine scharfe Hereingabe von Ryerson knapp verpasste, meldeten die Hausherren erstmals Gefahr an (3.). Den ersten Jubelschrei gab es jedoch kurz darauf auf der anderen Seite – nach einem Fehlpass im Aufbauspiel versenkte Antony freistehend vor Kobel die Kugel: Zum Glück für den BVB lag aber eine Abseitsposition vor.
Die beste Dortmunder Chance im ersten Durchgang vergeigte wenig später Svensson, der nach einer Flanke von Ryerson völlig blank im Fünfmeterraum zum Abschluss kam, jedoch Alvaro Valles nicht überwinden konnte (21.). In der Folge wurden die Gäste aktiver, der BVB glänzte in dieser Phase des Spiel vielmehr mit Unsauberheiten im Aufbau- und Passspiel. Und dann musste nach gut einer halben Stunde auch noch Guirassy verletzt ausgewechselt werden – für ihn kam Karetsas ins Spiel (34.).
„Er hat seinen Oberschenkel gespürt“, sagte Kovac im Nachgang der Partie. „Ich glaube, es ist nichts kaputt. Aber wir wollten das Risiko nicht suchen.“ Ob der Angreifer am Samstag im Heimspiel gegen Elversberg (15.30 Uhr) zur Verfügung stehen wird, müsse man abwarten. Am Donnerstag soll Guirassy untersucht werden.

Unverändert ging es in den zweiten Abschnitt. Kovac schien in der Pause die richtigen Worte gefunden zu haben, erneut kam der BVB besser aus der Kabine und wurde – wieder einmal – über die rechte Seite gefährlich. Ryersons Flanke fand in der Mitte Bellingham. Seinen Abschluss konnte Valles noch parieren, Silvas Nachschuss hingegen nicht – 1:0 (49.).
Anton-Blackout zum Ausgleich
Die Borussia übernahm nun wieder mehr die Spielkontrolle und erspielte sich einige Chancen, doch anstelle des 2:0 fiel auf der Gegenseite der Ausgleich – nach kräftiger Einladung von Anton. Der Verteidiger vertändelte im Aufbau den Ball, sodass es in der Folge für den eingewechselten Ruibal ein Leichtes war auf 1:1 zu stellen und damit den Gästeblock noch mehr in Ekstase zu versetzen als er ohnehin schon war.

Doch die Kovac-Elf zeigte sich vom Gegentreffer unbeeindruckt. Erneut kam Bellingham fünf Meter vor dem Tor frei zum Kopfball – aber erneut reichte es nicht für ein Tor (70.). Nur zwei Minuten später machte es aber Karetsas besser, der von Silva auf die Reise geschickt wurde. Ein Wackler an der Strafraumkante und hinein ins Glück. Valles hatte zwar noch die Hand am Ball, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern – 2:1.

Kovac: „Er war auf Toilette“
„Ich bin froh, dass er spielen konnte“, sagte Kovac. „Als ich ihn einwechseln wollte, war er nicht da – er war auf der Toilette. Er kam noch rechtzeitig, sonst hätte ich Carney (Chukwuemeka) gebracht.“ Für seinen Debüttreffer im BVB-Trikot bekam Karetsas ein besonderes Lob. „Man hat immer mal aufblitzen sehen, was er kann. Das hat er gut gemacht.“ Kovac freue der Treffer besonders, da der 18-Jährige zuletzt eine schwierige Zeit hatte. „Solange er vorne so performt, kann ich hinten mal ein Auge zudrücken“, ergänzte der BVB-Coach auf die Frage zu noch mangelnden Defensivarbeit des Griechen. „Er ist bereit defensiv an sich zu arbeiten.“
Der vierte der spanischen Liga, der bisher ohne Verlustpunkt in der Champions League unterwegs war, warf nun alles nach vorne, wurde auch – zumindest im Ansatz – nochmals gefährlich. Der Ausgleich jedoch sollte nicht mehr fallen. Mit dem Heimsieg steht der BVB nun bei neun Punkten aus vier Spielen und steht damit auf Platz 12 der Tabelle – punktgleich (!!) mit dem Vierten Como, der 9:1 in Lens gewann. Aufgrund der Enge in der Tabelle seien Sieg wie gegen Sevilla doppelt wertvoll.

