Borussia Dortmund gewinnt glücklich mit 3:2 im DFB-Pokal gegen Werder Bremen. Nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten konnte Dortmund am Ende mit einem Tor in allerletzter Sekunde den Sieg festhalten.

Aus dem Westfalenstadion berichtet Andreas Römer

Eigentlich hätte Dortmund das Spiel schon vorher klarmachen müssen. 2:0 zur Pause und jede Menge weitere Torchancen reichten nicht, um das Ding sicher nach Hause zu bringen.

Dortmunder Fans erinnern sich gern an DAS Spiel gegen Werden Bremen. 1989 gewann der BVB das Finale im DFB-Pokal gegen die Bremer mit 4:1, Nobert Dickel wurde zur Legende. Insgesamt sah die Bilanz vor dem heutigen Pokalspiel im Westfalenstadion aber nicht so rosig aus. Im Pokal trafen sich die beiden Vereine bislang acht Mal und jeder schaffte viermal das Weiterkommen.

Allerdings gewann Werder die letzten drei Pokaltreffen, davon sogar zweimal im Westfalenstadion. Mit schon sechs Pokalsiegen haben die Hanseaten sogar einmal häufiger den Pott in die Höhe gestreckt als die Borussen und sind damit das zweiterfolgreichste Team im deutschen Pokalwettbewerb.

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Blöderweise hat der Fast-Absteiger der letzten Saison einen Bombenstart in der Liga hingelegt und auch vor gut zwei Wochen im Hexenkessel in Dortmund einen Punkt ergattert – nachdem man bis zur 88. Minute 0:2 zurücklag.

Frühe Führung der Borussia

Bremen ohne Füllkrug – das war zum Start eine Überraschung. Ebenso überraschend ging der BVB schnell in Führung, zeigte, dass man nicht noch einmal so lange warten wollte wie vor 18 Tagen. Guirassy – wer sonst – erzielte das 1:0. Dortmund hatte das Spiel schnell gemacht, Nmecha mit unwiderstehlichem Antritt erst eine Lücke gerissen und dann Beier auf der linken Seite geschickt. Seine scharfe Hereingabe konnte Ryerson nicht richtig verarbeiten, machte so aber eine Vorlage für Guierassy draus: Der Torjäger schob aus sieben Metern ein.

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Und Borussia hatte direkt Spaß am Spiel, macht weiter Druck, zunächst über den agilen Beier, der nach zehn Minuten bereits mehr gefährliche Aktionen auf dem Zettel hatte als Silva zuletzt gegen Frankfurt nach über einer Stunde. Dann wurde auch die rechte Seite munter, Ryerson und Chukwuemeka schoben, eingesetzt von Veerman, immer wieder an.

Werder konnte nur zuschauen, kam zu keinem Gegenspiel. Veerman, der sich offensichtlich immer besser zurecht findet, sich immer wohler fühlt, löffelte eine Flanke aus dem Halbfeld in den Strafraum, Bellingham legte per Kopf ab und Chukwuemeka nahm den Ball per Drop-Kick und knallte ihn ins Tor. Nach 17 Minuten bereits 2:0.

Nach etwa 25 Minuten ließen die Gastgeber die Fischköppe ein bisschen vom Haken, Werder kam etwas besser ins Spiel. Allerdings wurden die Gäste kaum einmal gefährlich. Grüll schoss zweimal aufs Tor. Einmal hält Kobel einmal geht der Ball knapp über das linke Lattenkreuz. Grund genug für Abwehrchef Anton kräftig mit seinen Vorderleuten zu schimpfen. Für ihn war Werder eindeutig zu nah am BVB-Gehäuse. Doch der Albtraum kam erst noch.

Der Albtraum kommt von der Bank

Nach 1 Stunde kam Füllkrug auf dem Platz für Werder Bremen, der zuvor geschont wurde. Innerhalb von nur 5 Minuten macht er aus dem 0:2 ein 2:2 für seine Bremer. Da rutschte den Dortmundern dann offensichtlich das Herz tief in die Hose. Die Aktionen wurden hektisch nervös und immer mehr musste man damit rechnen, dass Werder das dritte Tor erzielte.

Dass es überhaupt zum Unentschieden  kam, lag nicht zuletzt daran, dass Trainer Kovac wieder einmal viel zu spät wechselte. Man sah direkt nach der Pause, dass Julian Ryerson auf der rechten Seite platt wie eine Flunder war. Er lief seinen Gegenspielern mehr als einmal hinterher verlor Zweikämpfe – völlig untypisch für ihn. Er war es schließlich, der im Strafraum, seinen Gegenspieler festhielt und der eher schwache Schiedsrichter Schröder, diesmal wohl zurecht auf Elfmeter zeigte.

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Natürlich ließ Füllkrug sich dieses Ding nicht entgehen. Dass er nur vier Minuten später an der Mittellinie Anton den Ball durch die Beine spitzelte und allein auf den Torwart zugehen kann, ist genauso allerdings unverständlich wie sein Tor vor knapp drei Wochen im Westfalenstadion. Als wüsste man nicht um die Stärken von Füllkrug,  ließ man ihn völlig allein. Er rannte auf Kobel zu, knallte das Ding unten rechts rein, und es stand 2:2. Unfassbar!

Allgemeine Verunsicherung

Danach merkte man der Defensive von Borussia eine totale Verunsicherung an. Bälle wurden unsauber, gespielt ins Aus geschlagen, obwohl der der Mitspieler in der Nähe war. Es war haarsträubend. Die Angst war allen deutlich anzumerken. Im Mittelfeld kam kaum noch eine gelungene Aktion. Im Sturm lief gar nichts mehr zusammen. Torchancen, eher Zufall. Wenn dann mal ein Schüsselchen kam, ging der wie zum Beispiel vom Bellingham oder von Beier weit über das Tor.

Werder Bremen machte aber auch nicht viel. Sie stellten sich weiter hinten rein, machten die Sache rund und warteten auf den nächsten Konter. Füllkrug wird’s schon richten. Genau das war auch das Gefühl, dass die meisten Zuschauer mittlerweile hatten. Die Angst, der GruseL ging um im Westfalenstadion!

Nach dem Ausgleich war es vorbei mit der schönen Spielerei. Jetzt mussten die Pokal-Fähigkeiten rausgeholt warden: Kämpfen, beißen. Damit tat sich der BVB doch lange schwer es fehlte das Gefühl, dass Dortmund den Kampf bedingungslos angenommen hatte. Die Nervosität steckte allen in den Klamotten, viele Fehlpässe und Ungenauigkeiten, kaum noch Zählbares vor dem Tor.

Doch keine Verlängerung

Als sich alle schon das Bier für die Verlängerung holen wollten, war das Spiel plötzlich doch vorbei. Man mag sich kaum erinnern, wann Borussia zuletzt einen direkten Freistoß verwandelt hat. Diesmal waren es gut 20 Meter bis zum Tor. Alles rechnete einer Flanke in die Mitte, doch Sabitzer drosch das Ding links oben ins Eck zum vielumjubelten 3:2-Sieg Sieg.

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Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Werder Bremen erst geschlagen ist, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat. 2:0 heißt hier noch lange nix. Dann kam Füllkrug und sicher wird Anton heute von ihm träumen. Der BVB hat nach mieser zweiter Hälfte am Ende mit ein Bisschen Glück die nächste Runde im Pokal erreicht. Nur noch drei Spiele bis zum Finale in Berlin….

Insgesamt zeigte die Leistung aber dass man eine Schippe drauflegen muss, will man am Samstag im Spitzenspiel bei den Bayern bestehen. So viele Stellungsfehler in der Abwehr  würden sich auch die Bayern nicht nehmen lassen. Und die haben immerhin nicht nur einen Füllkrug, sondern sie haben einen Weltfußballer des Jahres.

Text: Andreas Römer; Fotos: Kichner-Media