Borussia Dortmund gewinnt gegen vorne zaghafte Paderborner mit 3:0. Deutlich wurde es erst am Schluss als Nmecha in einem schwachen Spiel noch zwei schöne Tore erzielte.
Aus dem Westfalenstadion berichtet Andreas Römer
Felix Nmecha ist es am Ende gelungen, die Fans aufzuwecken, das Stadion anzuzünden. Sein Treffer in der 89. Minute tröstet doch viele über ein bis dahin eher schwaches Bundesligaspiel hinweg. Dortmund verpasste es lange, das zweite Tor zu machen, vergab beste Torchancen in der zweiten Halbzeit.
Nmecha durfte diesmal nicht von Anfang an ran, kam erst nach 65 Minuten. Dafür avancierte er in der Schlussphase zum „man of the match“. Erst schoss er in der 80. Minute das 2:0 um dann mit einem sehenswerten Fallrückzieher das 3:0 zu erzielen, das sicher ein Tipp für ein Tor des Monats sein könnte.
Bis dahin hatte zwar die Südtribüne ihren Spaß und schaffte es aber nicht, die Stimmung auf die anderen Tribünen überspringen zu lassen. Zu bieder der Vortrag auf dem Rasen. Paderborn lief von Anfang an die Gastgeber hoch an, machte über weite Strecken das Spiel.
Schlotterbeck ist zurück

Zunächst herrschte Freude beim Dortmunder Anhang: Nico Schlotterbeck stand überraschend in der Startelf. Auch wenn nicht unbedingt damit zu rechnen war, dass der Innenverteidiger viel Arbeit haben sollte. Schließlich hat Paderborn in den ersten beiden Saisonspiel noch kein Tor geschossen.
Das wollten die Ostwestfalen aber unbedingt ändern. Sie begannen forsch, ließen den BVB in der Anfangsphase eher alt aussehen. Doch den ersten Abschluss hatten dann doch die Gastgeber. Aus der Abwehr kam der Ball zu Guirassy, der noch in der eigenen Hälfte den startenden Silva bediente. Der Portugiese bedankte sich für die Startelfberücksichtigung und den schönen Pass, rannte seinen Bewachern davon, umkurvte Torhüter Noll und schob zu 1:0 ein. Da waren noch nicht einmal fünf Minuten gespielt.

Paderborn weiß nicht, wo das Tor steht
Doch wer jetzt mit einem Schützenfest des Champions League-Teilnehmers gegen den Aufsteiger gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Der BVB war zu langsam. Vor allem im Spielaufbau war viel zu wenig Bewegung, schaffte es der BVB nicht, Gefahr vor dem Paderborner Tor zu entfachen.
Paderborn selbst war weiter offensiv, lief hoch an und störte den BVB-Aufbau, wusste aber mit dem Ball in der gegnerischen Hälfte dann nichts anzufangen. Ein Schüsschen ans Außennetz, mehr gab es nicht zu notieren. So harmlos darf man in der Bundesliga nicht agieren. Da fehlte es an Ideen und Durchsetzungsvermögen. Und wenn es im Gewühl vor dem BVB-Tor unübersichtlich wurde, war mit Sicherheit die Fußspitze von Waldemar Anton da und klärte die Sache.

Nach vorn ging es beim BVB oftmals eher durch Zufall, wenn die Paderborner im Mittelfeld den Ball vertändelten. Doch aus den Chancen konnte der BVB nichts machen. Bellingham schoss einmal knapp vorbei, zweimal fand der VAR Guirassy im Abseits und so wurden beide Treffer vor der Pause wieder einkassiert. Das und die eher maue Vorstellung der eigenen Mannschaft sorgten für Pfiffe von den Rängen, als es in die Pause ging.
Chancenwucher beim BVB
Nach dem Seitenwechsel war es dann auch ein bisschen vorbei mit dem Paderborner „Sturmlauf“. Sie rannten längst nicht mehr so weit vorn an, brachten die BVB-Abwehr überhaupt nicht mehr in Gefahr. Der BVB wiederum machte jetzt auch nicht das überragende Spiel, bekam aber durch so manche Löcher in der Paderborner Defensive so einige glasklare Torchance serviert.

Allein Guierassy hatte drei dicke Dinger auf dem Schlappen, kam aber an Noll nicht vorbei. Der beste Paderborner hielt auch gegen Nwaneri, der ihn aus fünf Metern nicht überwinden konnte. Ein Kopfball von Bellingham ging dann auch nur knapp am Kasten vorbei und Sabitzer traf schließlich mit einem netten Heber nur die Latte.
Nmecha muss es richten
Eigentlich hätte das Schützenfest schon stattfinden können. Nur der BVB versiebte reihenweise die Möglichkeiten. Bis eben Nmecha die Sache in die Hand nahm und den Paderborner mit zwei sehenswerten Toren den Rest gab.

Zunächst spielte er einen feinen Doppelpass mit dem ebenfalls eingewechselten Beier, vernaschte mit einem Haken einen Paderborner Abwehrspielt und schoss halbhoch links an den Innenpfosten zum 2:0 ein. Nur 09 Minuten später dann dann ein echtes Zuckerstück für Fußballliebhaber: Sabitzer flankte, alle Kopfballversuche liefen ins Leere und auf Höhe des zweiten Pfostens legte sich Nmecha quer in die Luft und traf mit dem Fallrückzieher links unten ins Tor.
Damit ist das Ergebnis am Ende ein bisschen standesgemäß, doch überzeugend war das nicht. Paderborn versuchte das Spiel zu machen, war emsig und agil blieb aber vor dem Tor wirkungs- und harmlos. Auch der BVB war – wenn man die vergebenen, dicken Chancen sieht – harmlos, hätte früher den Sack zumachen müssen.
Text: Andreas Römer; Fotos: Bahho Kara/Kirchner-Media
