Der BVB kassiert gegen Bayer Leverkusen seine dritte Saisonniederlage und patzt gegen einen direkten Konkurrenten. Mit 0:1 (0:1) verliert der BVB das Spiel und schießt zum ersten Mal in dieser Spielzeit kein Tor. Der BVB kann von Glück reden, dass man schon so viele Punkte vorausgeeilt ist. In der zweiten Halbzeit wurde aufgrund einer Reanimation der komplette Support eingestellt und das Stadion bewies wiedereinmal Fingerspitzengefühl, bei den Pfiffen zu Beginn des Spiels gegen Nico Schlotterbeck eher nicht. Das Sportliche trat in den Hintergrund.
aus dem Westfalenstadion berichtet Oliver Römer
Die nächste vermeintlich große Aufgabe nach dem Dusel-Sieg in Stuttgart steht an. Heute geht es gegen die Pillendreher aus Leverkusen. Eine Rechnung aus dem verlorenen Pokalspiel ist ja noch offen. Die Borussen täten gut daran, diese Scharte im Saisonendspurt noch auszuwetzen. Auch Trainer Kovac sieht noch keine Zeit für Experimente und möchte noch so viele Punkte wie möglich holen. Trotzdem stehen mehr Jungspunde als sonst im Kader. Der gesperrte Adeyemi, die verletzten Nmecha und Couto sowie Can stehen nicht zur Verfügung. Dafür sind mit Reggiani, Kabar, Inacio und Albert vier junge Kräfte im Aufgebot für die heutige Partie im heimischen Westfalenstadion.
Zu hoffen wäre auch, dass nach seiner Vertragsverlängerung Schlotterbeck wieder mit freiem Kopf aufspielt und der Abwehr gegen den Konkurrenten vom Rhein neue Stabilität verleihen kann. Das Fehlen von Nmecha war schon gegen Stuttgart schmerzlich zu spüren. Hier ist dann der Trainerfuchs Kovac gefragt, eine bessere Lösung zu finden, um auch die wieder mehr richtigen Impulse nach vorne zu setzen.
Vor der Partie die Choreo für Davud Mohammed, einem langjährigen Mitarbeiter des Dortmunder Fanprojekts, der am Karfreitag verstorben war. Er hat die Fanarbeit in Dortmund maßgeblich mitgeprägt, als Freund, Kollege und Begleiter vieler Wege.

Los geht es dann auch mit erfahrenem Personal, im Tor natürlich Kobel, davor Anton, Schlotterbeck und Bensebaini. Auf den Außen Svensson und Ryerson, dazwischen Bellingham und Sabitzer. In der Offensive Brandt als kreatives Element, der durchaus gegen seinen Ex-Verein nochmal einen raushauen könnte. Silva und Guirassy ergänzen den vorderen Mannschaftsteil. Die Weichen sind gestellt, mal schaun, ob Kovacs Plan aufgeht.

Pfiffe gegen Schlotterbeck
Nach zweieinhalb Minuten liegt Guirassy das erste Mal im Strafraum am Boden. Der Pfiff von Schiri Aytekin bleibt aber aus. In der nächsten Viertelstunde kombiniert sich der BVB durchaus gefällig durch die Reihen der Leverkusener und kommt durch Svensson dann zum ersten Abschluss, der aber noch auf der Linie geklärt wird. Auffällig sind die Pfiffe, sobald Schlotterbeck am Ball ist. Das muss wehtun. Reaktion der Fans auf den langen Vertragspoker und einige unglückliche Aussagen. Und das aus den eigenen Reihen. Aber stärkt das meine Mannschaft auf dem Feld? Zwei Ecken nach 20 Minuten bringen leider nichts ein. Schlotterbeck und Brandt lassen ihr taktisches und technisches Vermögen mehrfach aufblitzen. Mehr aber auch nicht.
Möglichkeiten werden liegengelassen
Nach einer guten halben Stunde hat Dortmund Glück, als Sabitzer zentral vor dem eigenen Sechzehner den Ball verstolpert, aber beim Abschluss Kobel dann doch richtig steht und den Ball abfängt. Bayer macht jetzt selbst Druck und kommt mehr und mehr zu Möglichkeiten. Bei einem Konter fehlen nacheinander im Strafraum der Leverkusener erst Silva und dann Guirassy Millimeter bei der Ballmitnahme. Das wären dann zwei hundertprozentige Möglichkeiten geworden. Auch Brandt verfehlt aus zwanzig Metern knapp.
Leverkusen eiskalt
Ansonsten ist das Spiel natürlich von Taktik geprägt und wie aus dem Nichts fällt das 0:1 durch Andrich aus 20 Metern nach einem zu kurzen Zuspiel von Bensebaini auf Silva. Leverkusen eiskalt und abgezockt. Nur auf die Fehler des BVB abwartend. Der BVB ist zwar in der Folge weiter auf dem Weg nach vorne, kann aber nichts Zählbares mehr vor der Pause herausspielen. Da muss gleich mehr kommen und auch die Effektivität gesteigert werden.
Kein Support mehr
Unverändert geht es in die zweite Hälfte und der BVB startet mit Bellingham gleich mit dem ersten Ballverlust. Gespenstische Stille seit dem Anstoß. Durch eine Reanimation auf der Tribüne ist der Support erstmal eingestellt. Nach 10 Minuten die erste Flanke von Ryerson von rechts, die Guirassy aber übers Tor köpft. Beier kommt für Svensson. Mehr Offensivdruck für die linke Seite. Schlotterbeck lässt sich zweimal abschütteln und Schick schießt Kobel an, der damit den Einschlag verhindert.
Guirassy mehrfach unglücklich
Guirassy spielt einen Fehlpass in der eigenen Hälfte und Beier muss auf Kosten eines Freistoßes retten. Sabitzer und Silva gehen, dafür kommen Chukwuemeka und Inacio. Völlig frei vor dem Sechzehner verzieht Guirassy völlig unbedrängt weit am Tor vorbei. Gellende Pfiffe kommen aus dem Stadion. Hier läuft momentan gar nichts zusammen in Schwarzgelb. Wieder Glück für den BVB. Bei einem Vorstoß von Tella springt ihm der Ball an die Hand und Kobel kann in letzter Instanz retten. Unsicherheiten auch in den Offensivaktionen machen sich breit. Leverkusen nimmt dies mit Kusshand an und nutzt diese immer wieder aus. Özcan und Kabar kommen für Ryerson und Bellingham.

Lattentreffer von Guirassy
So wie es momentan aussieht, ist hier heute vom BVB nicht mehr viel zu erwarten. Guirassy hämmert den Ball aus kurzer Distanz an die Latte. Schlotterbeck und Anton überbieten sich in der Defensive mit Rettungsgrätschen. Noch fünf Minuten. Nochmal Reflex am kurzen Pfosten von Kobel, der einen erneuten Einschlag verhindert. Noch 3 Minuten gibt es obendrauf. Ein letztes „You’ll Never Walk Alone“ ertönt von der Süd. Der Support wird wieder aufgenommen.
Eine letzte Ecke mit Kobel vorne. Dann ist Schluss. Leverkusen gewinnt verdient. Und der BVB verliert wieder gegen einen Konkurrenten und auch seine positive Ausbeute mit der dritten Saisonniederlage. Und das im heimischen Westfalenstadion, das zumindest für eine Halbzeit nicht mehr da war. Pfiffe gibts zum Abschluss von der Süd für die ganze Mannschaft.

Carsten Cramer nach dem Spiel zu den Reaktionen der Fans
Carsten Cramer resümierte nach dem Spiel nicht die sportliche Seite, sondern richtete den Blick auf das Publikum mit zwiegeteilter Meinung: „Was ich nicht gut finde und was mir auch wichtig ist, als Verantwortlichem von Borussia Dortmund anzumerken, ist, dass Spieler im Trikot von Borussia Dortmund mit Betreten des Rasens die Unterstützung verdienen, und für mich als Verantwortlichen fühlt sich das nicht gut an. Und von daher muss ich auch sagen, dass sich das nicht gehört. Meinungsfreiheit ist in Ordnung, aber Pfiffe gegen einen eigenen Spieler nicht.
Die zweite Seite der Medaille, das Kompliment in der zweiten Halbzeit, hat sich sicherlich für alle Beteiligten, weil wir auch nicht wussten und immer noch nicht wissen, wie es der Person geht, nicht gut angefühlt, dann trotzdem so eine Reaktion vom Publikum. Bärenstark.
Kovac nach dem Spiel
Gratulation an Leverkusen. Leverkusen stand, wie wir es erwartet haben, hinten kompakt und versuchte, mit seinen schnellen Spielern uns Probleme zu bereiten. Ich denke, wir haben das in den ersten 30 Minuten richtig gut gemacht, haben dann Leverkusen ins Spiel kommen lassen. Durch den leichten Ballverlust, der dann natürlich Andrich findet, haben wir uns dann selber bestraft. Es war natürlich ein toller Schuss von Andrich. Es war schwierig. Natürlich brauchen wir die Energie des Stadions und aufgrund dieses Notfalls hatten wir sie heute nicht. Zu wenig Durchschlagskraft, Leverkusen hat sehr gut verteidigt, wir hätten mehr über die Außen kommen müssen. Das war heute ein Unentschieden-Spiel, was wir in Stuttgart auch haben können. Letzte Woche haben wir es gewonnen und wir müssen weiter positiv sein und werden in den nächsten Wochen sicherlich noch die nötigen Punkte holen, die wir brauchen.
Weiter geht es nächste Woche am Samstag um 15:30 Uhr in Hoffenheim gegen den nächsten Mitkonkurrenten.
Text: Oliver Römer, Bilder: Oliver Römer, Kirchner Media und Archiv
