Im Topspiel des 28. Spieltags gelingt dem BVB beim VfB Stuttgart ein 2:0-Erfolg – und das mit den beiden ersten Torschüssen im zweiten Durchgang. Zudem beweist Coach Nico Kovac ein glückliches Händchen: Denn die Torschützen Karim Adeyemi und Julian Brandt kommen erst von der Bank. Mit dem vierten Sieg in Folge und dem ersten Dreier gegen Stuttgart seit sechs Spielen darf der BVB nun wohl die Vize-Meisterschaft „feiern“.
Aus dem Neckarstadion berichtet Falk-Stéphane Dezort
Mit einem Lauf von drei Siegen in Serie – darunter dem wahnsinnigen 3:2 gegen den Hamburger SV – ging Borussia Dortmund in die Länderspielpause. Anschließend stand mit dem Gastspiel beim VfB Stuttgart das Duell mit einem Angstgegner auf dem Programm: Seit sechs Duellen mit den Schwaben wartet der BVB auf einem Sieg. Und im Hinspiel vergeigte die Kovac-Elf einen Dreier in der Nachspielzeit.

Im Samstagsabend-Topspiel mit dem acht Punkte schlechteren Ligadritten setzte Kovac aus bewährtes Personal – ergo bildeten Anton und Schlotterbeck das Abwehrzentrum, und Guirassy stürmte als einzige Spitze. Doch zu sehen sein sollte in den folgenden Minuten vom Guineer eher wenig.
Vom BVB nichts zu sehen
Der VfB kam besser ins Spiel und war auch die bessere Mannschaft – erstmals gefährlich wurde die Truppe von Trainer Sebastian Hoeneß in der 19. Minute: Nach einem Aufbaufehler von Bensebaini auf der linken Seite schalteten die Stuttgarter schnell um und kamen in der Folge einer Hereingabe zu gleich drei Abschlusschancen. Ein Abwehrbein und Gregor Kobel im Kasten verhinderten Schlimmeres. Von Dortmunds Offensivabteilung war absolut gar nichts zu sehen – Guirassy und vor allem Beier rieben sich an den VfB-Verteidigern auf. Erst in der 45. Minute kam mit Chukwuemeka ein Schwarzgelber zu einem Abschluss – vorbei.

Eine klassiche Nullnummer
Vor 60000 Zuschauern im ausverkauften Stadion gingen beide Teams unverändert in die zweite Halbzeit. Und auch in dieser bot sich dem Publikum dasselbe Bild: Wenn man so etwas wie Torgefahr erahnen wollte, dann beim VfB. Dies allerdings ohne dabei wirklich zwingend zu werden. Der Abschluss von Assignon nach einer Ecke war noch das Gefährlichste (56.).

Adeyemi und Brandt schlagen eiskalt zu
In der Folge plätscherte das Spiel allmählich vor sich hin. Der VfB schien nicht zu können, der BVB offenbar nicht zu wollen: Denkste! In einer aberwitzigen Nachspielzeit drehte der BVB plötzlich auf und stach eiskalt zu. Nach einem Ballverlust auf der rechten Seite auf Höhe der Mittellinie wurde der eingewechselte Brandt in die Tiefe geschickt. Seine Flanke versuchte ein Stuttgarter mit dem Kopf zu klären, doch sein Versuch landete vor den Füßen vom ebenfalls eingewechselten Karim Adeyemi. Er ließ sich 13 Meter vor dem Tor nicht zwei Mal bitten und versenkte die Kugel mit dem ersten BVB-Schuss aufs Tor im gesamten Spiel (90.+4.).
Doch damit nicht genug: Nachdem sich beim Jubellauf die Gemüter aufgehitzt hatten, warf der VfB nach Wiederanpfiff alles nach vorne und ging volles Risiko. Der Borussia gelang jedoch am eigenen Strafraum der Ballgewinn. Von dort wurde nun Adeyemi auf die Reise geschickt, der wiederum den mitgeeilten Brandt in der Mitte sieht und bedient. Und der dienstälteste Borusse, der den Verein im Sommer bekanntlich verlassen wird, schweißte das Leder humorlos aus zehn Metern und unhaltbar für Nübel unter die Querlatte (90.+6.). Ganz zur Freude des mitgereisten Anhangs: die Rückfahrt mit dem Sonderzug dürfte nun besonders feucht-fröhlich ausgefallen sein.

Effizienz oder Dusel?
War das nun pure Effizienz oder schwarzgelber Dusel? Am Ende ist es egal – mit dem Dreier im Schwabenladen liegt der BVB nun elf Punkte vor Platz drei und 14 Zähler auf Rang fünf, auf dem die TSG Hoffenheim nach der 1:2-Heimpleite am Nachmittag gegen Mainz abgerutscht ist. Erster „BVB“-Verfolger um den Titel „Best of the rest“ ist nun RB Leipzig.
„Es war heute ein Abnutzungskampf mit wenigen Höhepunkten“, sagte BVB-Trainer Kovac nach der Partie. Schlussendlich habe man das Quäntchen Glück auf der Seite gehabt. „Es war mehr ein 0:0-Spiel als ein 2:0-Spiel für uns“, so Kovac. Jedoch zeigten die Konter auch, welche Qualität in der Mannschaft stecken. Zudem betonte er, dass man der glückliche Sieger gegen einen starken Gegner war, der in der Bundesliga bisher nur gegen den FC Bayern vor eigenem Publikum verloren hat.

BVB war „kaltschnäuzig“
VfB-Trainer Hoeneß lobte indes die „Kaltschnäuzigkeit“ der Dortmunder Mannschaft und dass der BVB dem Druck standgehalten hat. Auf die emotionalen Szenen nach den beiden Toren angesprochen – Stuttgarter Fans betraten nach dem 0:2 den Innenraum – kochten die beiden Coaches die Situation herunter.
