Mit 0:2 verliert der BVB am Samstagabend bei RB Leipzig. Vor allem in der ersten Halbzeit und in den ersten fünf Minuten im zweiten Durchgang, verdienten sich die Bullen den Sieg. Erst nach dem 0:2 begann der BVB, richtig Fußball zu spielen, verpasste es aber, mindestens zwei bis drei seiner 22 Torschüsse auch im Tor unterzubringen. Allein Beier traf zwei Mal das Aluminium, und auch Adeyemi knallte den Ball an die Latte.

Von Falk-Stéphane Dezort

Hässliche Bundesliga-Fratze oder Champions-League-Gesicht? Welche der zwei Spielweisen der Borussia bekommen die Fans beim Gastspiel in der Leipziger Arena. Das war die große Frage vor der Partie in Sachsen. BVB-Coach Nico Kovac schickte im Vergleich zum Sieg in Lille am Mittwoch die gleiche Elf von Beginn an auf den Rasen. Doch diejenigen, die es mit Schwarzgelb halten, bekamen zunächst die Alltags-Fratze zu sehen.

Leipzig war von Anpfiff an die spielbestimmende Mannschaft und brachte den BVB vor allem über die rechte Abwehrseite und David Raum immer wieder in Bedrängnis. Zu viel Raum für Raum. Richtig brenzlig wurde es zum ersten Mal nach 14 Minuten. Raum konnte auf der linken Seite gemütlich den Ball annehmen und den in die Mitte gestarteten Openda bedienen – der Ball landete an der Latte.

Xavi Simmons trag in der 18. Minute zur Führung der Leipziger. Foto: Kirchner-Media

Vier Minuten später machte Xavi Simmons besser. Erneut ging es über die rechte BVB-Seite von Waldemar Anton und Karim Adeyemi. Raums Abschluss konnte Kobel noch parieren – unglücklicherweise aber an die Hacke von Sesko. Von dort kullerte der Ball vor die Füße von Simmons, der aus 16 Metern keine Probleme hatte, die Gastgeber in Führung zu bringen.

Sabiter verletzt ausgewechselt

Nach 29 Minuten musste Kovac zum ersten Mal reagieren – nach einem Zweikampf blieb Marcel Sabitzer schmerzverzerrt liegen und hielt sich das Knie. Diagnose noch offen. Für ihn kam Bensebaini. Fortan war die rechte Abwehseite etwas dichter. Zu Chancen kam Leipzig dennoch. Ridle Baku prüfte nach 35 Minuten zum zweiten Mal die Standfestigkeit des Aluminiums.

Nach einem Zweikampf blieb Sabitzer schmerzverzerrt liegen und musste ausgwechselt werden. Foto: Kirchner-Media

Erst gegen Ende des ersten Durchgangs kam der BVB etwas besser ins Spiel. Bei Adeyemis Abschluss musste sich Gulasci im Tor der Leipzig ganz schön strecken (45.+2.). Auch nach der Pause hatte Dortmund die erste Chance. Guirassys Kopfball verfehlte allerdings das Ziel. Besser machte es hingegen Openda. Eine Simmons Ecke landete am langen Pfosten – dort stand der Leipziger völlig blank und stellte auf 2:0 (48.).

BVB betreibt Chancenwucher

Was dann folgte, war aus BVB-Sicht das Champions-League-Gesicht. Auf einmal konnte die Kovac-Elf zielstrebigen Fußball spielen und kam nahezu im Minutentakt zu großen Chancen. Erst traf Beier per Kopf nur die Latte (50.), dann setzte er freistehend den Ball an den Außenpfosten (52.). Und auch Adeyemi, der von Guirassy gut in Szene gesetzt wurde, verpasste das Ziel (55.). Auch Dortmunds beste Angreifer Guirassy behielt im Duell mit Gulasci das Nachsehen (62.). Und Adeyemie: Der knallte eine abgewehte Ecke aus 25 Metern abermals an die Latte. „Mich nervt es extrem“, sagte Pascal Groß nach der Partie. „Wir haben es mal wieder nicht geschafft, nach der Champions-League ein Spiel zu gewinnen. Wir lassen die Konstanz vermissen.“

BVB-Angreifer Guirassy hatte in Leipzig wenig Glück vor dem Tor. Foto: Kirchner-Media

„Wir müssen kleine Brötchen backen“

Den Kampf konnte man der Borussia (im zweiten Durchgang) wahrlich nicht absprechen; nur das Tor wollte einfach nicht fallen. Auch die eingewechselten Gittens, Duranville und Chukwuemeka schafften es nicht, das Leipziger Bollwerk zu durchdringen. Nach der Partie hatte die Borussia 26 Torschüsse – in Halbzeit eins waren es nur vier. Auch der XGoals-Wert sprach Bände: 2,1 für Leipzig, 2,9 für den BVB. Doch die wichtigste Statistik spricht gegen die Westfalen. Tore: Leipzig 2, Borussia 0.

Das Thema Champions League-Qualifikation ist damit wohl definitiv vom Tisch: „Wir müssen kleine Brötchen backen“, sagte Groß. „Wir stehen auf Platz 11. Ich weiß, wo wir stehen. Große Sprüche und viel reden kann man immer einfach. Aber wir haben es nicht auf den Platz gebracht. Wir hatten heute sechs, sieben Hochkaräter, um hier zu gewinnen.“

Liebe Leser – nachfolgend noch ein Hinweis in eigener Sache: Gerne hätten wir für euch wie gewohnt auch aus dem Zentralstadion in Leipzig berichtet, allerdings hat uns RB abermals eine Arbeitskarte verweigert.