Zum ersten Mal seit 2008 standen sich Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund in einem Pflichtspiel gegenüber. Damals gewann der BVB – ebenfalls in der 1. Runde des DFB-Pokals – mit 3:1. 17 Jahre später hieß der Sieger auch Borussia Dortmund. Doch der (oft ideenlose) Bundesligist musste sich an der Hafenstraße ganz schön strecken – letztendlich avancierte einmal mehr Guirassy mit seinem 1:0 zum Matchwinner.
Von Falk-Stéphane Dezort
Im ersten Pflichtspiel der neuen Saison überraschte Niko Kovac mit seiner Aufstellung. Neuzugang Jobe Bellingham saß zunächst auff der Bank, und in der Dreierkette kam neben Svensson und Anton Filippo Mané zu seinem Pflichtspieldebüt in Schwarz-Gelb. Bevor der Ball im Stadion an der Hafenstraße jedoch rollte, wurde es unter den 20000 Zuschauern andächtig still, den die Fans gedachten dem jüngst verstorbenen Frankie Mill. Nach dem Applaus gab es eine Geräuschexplosion, die Fanlager waren gut aufgelegt für dieses erste Pott-Duell seit 2008.

BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl hatte sich im Vorfeld einen frühen Treffer gewünscht – und dass der BVB das Spiel schnell in ruhige Fahrwasser lenkt. Geklappt hat das jedoch nicht. Die Borussia kam zwar besser ins Spiel, hatte nach 30 Sekunden auch die erste Chance, doch so richtig gefährlich wurde es lange Zeit nicht.
Essen mit den besseren Chancen

Es war der Drittligist, der sich mit zunehmender Spieldauer immer mehr frei schwomm und selbst zu hochkarätigen Möglichkeiten kam. Der BVB hat Glück, dass Gregor Kobel im Tor wieder einen Sahnetag erwischte und beispielsweise im 1-gegen-1-Duell mit Safi kurz vor der Pause die Oberhand behielt. Aber auch RWE hatte mit Golz einen gut aufgelegten Schlussmann. Immer wieder machte er Abschlüsse von Guirassy, Nmecha oder Beier sehenswert zunicht.

Unverändert ging es in die zweite Hälfte. Und erneut war der BVB zunächst die spielbestimmende Mannschaft. In der ersten Viertelstunde des zweiten Abschnitts hatten die Schwarz-Gelben 81 Prozent Ballbesitz, ohne ihn aber in Torchancen umzumünzen. Es fehlten die Ideen, das Essener Abwehrbollwerk zu durchbrechen. Nach gut einer Stunde und bei einem mutiger werdenden Underdog, der bereits seit zwei Wochen wieder im Ligageschehen aktiv ist, reagierte Kovac und nahm Beier sowie Groß vom Feld und brachte Brandt sowie Bellingham.
RWE wittert Pokalcoup, Guirassy trifft
Wie es im Pokal immer so ist – je länger es 0:0 steht, desto nervöser wird der Favorit und desto mehr glaubt der vermeintliche Außenseiter an den ganz großen Coup. So auch an der Hafenstraße. Essen bekam immer mehr Selbstvertrauen und ließ die Borussen kommen, hoffte auf einen der so häufig auftretenen Abspielfehler im Aufbau. So beispielweise in der 72. Minute – doch Hofmanns Schlenzer ging am Ende recht deutlich an Kobels Kasten vorbei.

Doch irgendwie klingelte es dann noch im Karton – in dem der Essener. Guirassy wurde an der Strafraumkante von Bensebaini in Szene gesetzt, der BVB-Angreifer setzte sich im physischen Duell mit Rios Alonso durch, kam zur Drehung und ließ aus gut 18 Metern Torentfernung Golz mit einem präzisen Schuss ins lange Ecke keine Chance (79.) – 0:1. Es war sein 14. Treffer in den saisonübergreifend zwölf vergangenen Pflichtspielen.

Zittern bis zum Schluss
Der BVB musste das Ergebnis jetzt „nur“ noch nach Hause bringen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass man sich genau damit doch des Öfteren sehr schwer tut. Essen warf indes nun alles nach vorne, brachte mit Martinovic für Safi einen zweiten gelernten Stürmer ins Spiel. Die Borussia setzte nun auf Konter – spielte einen aussichtsreichen Freistoß sogar lieber hinten über Kobel herum, um Zeit von der vier minütigen Nachspielzeit zu nehmen.
Nach 92 Minuten dann noch ein mal ein Aufschrei im Stadion – eine scharfe Essener Hereingabe geht in Richtung zweiten Pfosten. Dort stand Martinovic bereit den Ball tief einzuköpfen, aber ein schwarz-gelbes Abwehrbein (Mane) war in höchster Not noch dazwischen. Puh! Schlussendlich blieb es beim knappen 1:0 aus Sicht der Borussia, der damit das Zweitunden-Ticket gebucht, sich wahrlich aber nicht mit Ruhm bekleckert hat. Am Samstag geht es dann um 18.30 Uhr mit dem Bundesliga-Auftakt am Millerntor gegen St. Pauli weiter.
Hoffentlich ist dann auch Couto wieder fit – denn kurz vor Ende blieb dieser schmerzverzerrt nach einem rüdenn Foulspiel gegen das Knie liegen. Nach den Ausfällen von Süle, Can und Schlotterbeck wäre ein längerer Ausfall von Couto der nächste Nackenschlag in der Defensive.