Borussia Dortmund kommt zum Jahresauftakt am Freitagabend bei Eintracht Frankfurt nicht über ein 3:3 hinaus. Dabei verspielte der BVB erneut zwei Führungen und zeigte sich Defensiv viel zu anfällig. Allerdings bewies man Comeback-Qualitäten, denn nach dem 2:3 in der Nachspielzeit gelang quasi mit dem Schlusspfiff noch der Ausgleich.
Aus dem Frankfurter Waldstadion berichtet Falk-Stéphane Dezort
Zum Jahresauftakt ging es für den BVB nach einem kurzen Trainingslager in Marbella direkt in den Hexenkessel Frankfurter Waldstadion. Erst im Oktober standen sich die Team dort im DFB-Pokal gegenüber – das Spiel gewann der BVB nach Elfmeterschießen. Dazu kam es am 16. Bundesligaspieltag nicht – jedoch ähnelte sich die Spiel in vielen Punkten. Es war ein erneut ein Fehlpass-Festival im eisigen Wald.
BVB-Blitzstart dank Beier
Dortmunds Coach Niko Kovac konnte in Frankfurt auf seine etatmäßige Nummer eins im Tor, Gregor Kobel, zurückgreifen. Auch blieben Überraschungen in der Startelf aus. Guirassy erhielt in der Spitze erneut den Vorzug, und das Innenverteidiger-Duo bildeten Anton und Schlotterbeck, flankiert von Süle und Ryerson. Letzterer war es, der nach zehn Spielminuten mit seiner scharfen Hereingabe die Dortmunder-Führung vorbereitete. Beier kam im Fünf-Meter-Raum sträflich allein zum Abschluss und überraschte den Frankfurter-Schlussmann Santos, der von Dino Toppmöller wieder zum Stammkeeper gemacht wurde.

Doch wie so häufig in der Saison, verlor der BVB nach der Führung den Faden im eigenen Spiel – die SGE wurde im 105. Bundesliga-Duell der beiden Mannschaften besser. Erst parierte Kobel einen Abschluss von Uzun von der Strafraumkante (17.), dann schloss der Ex-Borusse Knauff zu unplatziert aus gut sieben Metern ab (18.). Wenige Minuten später aber belohnte sich die Eintracht für die Druckphase – wenn auch unter fröhlicher Mithilfe von Guirassy. Nach einem Einwurf räumte der BVB-Angreifer Frankfurts Koch im Strafraum ab, sodass dem Unparteiischen Daniel Schlager nichts anderes übrig blieb, als auf den Punkt zu zeigen. Den Strafstoß verwandelte Uzun problemlos ins linke Eck. Doch den Elfmeter hätte es gar nicht geben dürfen: Beim Einwurf stand Höjlund im Spielfeld, sodass der Einwurf hätte wiederholt werden müssen.
Vom Ausgleich wachgeküsst war der BVB nun zurück im Spiel – gefährliche Möglichkeiten blieben jedoch lange Zeit aus. Bis zur 40. Minute: Erneut über die rechte Seite aktiv, bediente Ryerson Schlotterbeck, dessen Kopfball von Santos mit einer guten Parade entschärft werden konnte. Und Brandts Abschluss nach guter Kombination am rechten Strafraumeck ging deutlich am Frankfurter Kasten vorbei (45.+2.).

BVB mit dem Ball, SGE mit den Chancen
Unverändert kamen beide Mannschaften aus der Kabine. Dortmund übernahm nun die Spielkontrolle und den Ballbesitz, gefährlicher aber war die SGE. Nach 54. Minuten verhinderte Kobel mit einer blitzschnellen Reaktion den Rückstand. Der BVB verpasste es beim vorangegangenen Konter gleich drei Mal, die Situation zu klären, sodass Knauff fast unbedrängt zum Abschluss kam. Auf der anderen Seite hatten kurz darauf Sabitzer (58.) und Anton (59.) das 2:1 aus westfälischer Sicht auf den Kopf beziehungsweise auf den Fuß.
Nach 65 Minuten versuchte Kovac mit der Einwechslung von Silva für den glücklosen Guirassy frischen Wind in den Angriff zu bringen. Das gelang, denn nur drei Minuten später klingelte es im Frankfurter Gehäuse. Aber nicht der Spanier, sondern Nmecha war erfolgreich. Sein Schuss aus gut 18 Metern wurde von Larsson mit dem Gesäß unhaltbar abgefälscht (68.).

Wie gewonnen so zerronnen
Jedoch hatte die Führung nicht lange Bestand: Abermals nur drei Minuten später gelang auch den Gastgebern der zweite Treffer des Abends. Mit einem genauen Pass in die Schnittstelle der Dortmunder Abwehrzentrale wurde der Frankfurter Neuzugang Ebnoutalib mustergültig in Szene gesetzt. Und der Angreifer, der in der Hinserie für die SV Elversberg in der zweiten Liga auf Torejagd ging, verwandelte eiskalt (71.). „Das Tor war vermeidbar. Wir haben nach unseren Treffern weniger gemacht – das funktioniert so nicht“, monierte BVB-Abwehrspieler Anton nach der Partie. „Das müssen wir besser verteidigen. Das ist nicht unser Anspruch.“
Kovac reagierte erneut und brachte Can und Adeyemi für Beier und Süle. Ein Effekt blieb aus. Bis kurz vor Ende passierte wenig, doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Erst scheiterte der BVB mit einem Kopfball am Aluminium. Dann schlenzte der eingewechselte Ex-Borusse Dahoud die Hausherren zum 3:2. Das Waldstadion wurde zu einem Tollhaus, doch das letzte Wort hatte der BVB. In der sechsten Spielminute der Nachspielzeit tauchte plötzlich Chukwuemeka vor Santos auf und stellte auf 3:3. „Wir hatten uns viel vorgenommen und zum Glück einen positiven letzten Punch“, meinte Anton. „Wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt.“

Auch Lars Ricken war mit dem Remis halbwegs zufrieden. „Die Bundesliga ist mit einem Spektakel aus der Pause gekommen. Man hat gesehen, dass wir uns viel vorgenommen haben.“ Je länger das Spiel gedauert habe, desto dominanter sei die Borussia geworden. „Es wäre bitter gewesen, wenn wir das Spiel verlieren. Am Ende wird sich zeigen, wie wichtig der Punkt sein wird.“ Ricken sei glücklich, dass man sich noch mit dem Remis belohnt habe, auch wenn „ein Sieg verdient“ gewesen wäre.