Mit einem 2:1-Auswärtssieg und zwei Kopfballtoren gelingt dem BVB der Sprung auf Rang drei in der Tabelle. Anselmino und Adeyemi trafen für die Schwarzgelben bei der Werkself.
Aus der Bayarena berichtet Andreas Römer
„Verdient gewonnen“, meinte BVB-Coach Kovac nach dem Spiel und sagte in der Pressekonferenz, dass er ein sehr gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen habe. Sein gegenüber Bayer-Trainer Hjulmand sah da eher ein sehr, sehr enges Spiel, in dem seiner Mannschaft vor allem etwas Glück gefehlt habe.
Recht hatten beide, dass sie wenig Torchancen auf beiden Seiten gesehen haben. Es war erst in den letzten Minuten, als die Gastgeber wütend alles nach vorn warfen, ein spannendes Spiel, das den Namen „Topspiel“ verdiente.
Fanprotest

Los ging es eher ruhig – in mehrfacher Hinsicht. Die Stimmung in den ersten zwölf Minuten hatte etwas aus der Corona-Zeit. Ein bisschen Gemurmel im Stadion, ansonsten konnte man gut die Rufe der Spieler hören. Die Fan protestierten mit ihrer Aktion gegen Populismus, angeblichen Sicherheitsbedenken bei der Politik und Gedanken an personifizierte Tickets etc. Dafür brach dann nach genau zwölf Minuten auf beiden Seiten die große Unterstützung für beide Mannschaften los.
Das Spiel war bis dahin und auch danach von Sicherheitsbedenken nicht der Politik sondern der Trainer geprägt. Zwei technisch starke Mannschaften wollten vor allem erst einmal keine Fehler machen. Noch bevor die Fans mit ihren Gesängen einsetzten hatte Poku die erste dicke Chance für die Werkself. Ein Pass durch die Schnittstelle der BVB-Abwehr ließ den Stürmer ziemlich allein vor Kobel auftauchen. Doch er knallte das Ding deutlich über den Kasten. Was folgte war ein lautstarkes Stöhnen der Bayer-Anhänger.
Kaum Torchancen – hüben wie drüben
Überhaupt Poku – der Mann mit einem Pass aus deren Niederlanden und aus Ghana lief Anselmino das ein oder andere Mal davon. Doch Anton passte immer auf und so verlebte Kobel einen ruhigen frühen Abend. Auch für Flekken im Tor von Bayer gab es nicht allzuviel zu tun. Das lag vor allem am schlampigen letzten Pass des BVB. Die Kovac-Elf baute in aller Ruhe auf, wenn es dann mal schnell gehen sollte, verstolperten die Schwarzgelben ein ums andere Mal oder eben der letzte Pass war unsauber, so dass keine echte Torchance zustande kam.
Doch auch Bayer Leverkusen brachte nach vorn nichts Aufregendes auf den Platz. Der Abschluss vom ehemaligen Dortmunder Hofmann vom Strafraumeck ging ziemlich weit am Tor vorbei. Auch seinem Trainer fehlten in der Analyse nach Spielende Läufe hinter die Dortmunder Kette, die letztendlich Chancen kreieren könnten.


Doch als sich schon alle ein wenig auf das Halbzeitgetränk mit einem friedlichen 0:0 freuten passierte doch noch etwas. Tapsoba ging etwa ungeschickt und unsanft gegen Adeyemi zu Werke, kassierte einen Freistoß und fürs Meckern auch noch Gelb. Den Freistoß brachte Svensson von der rechten Seite hoch in den Strafraum und Tapsoba sprang nicht hoch genug. Das bessere Timing hatte Anselmino, der den Kopfball an den linken Innenpfosten setzte – von dort sprang er für BVB-Führung in die Maschen (41. Minute).
Nach Tapsoba quasi doppelt am Gegentor beteiligt war, wollte er es direkt wieder gut machen und schoss nur zwei Minuten später aus 20 Meter wuchtig aufs Tor, doch Kobel bekam die Hände rechtzeitig nach oben. 0:1 zur Pause.
Werkself erhöht den Druck
Nach dem Wechsel machte Leverkusen mehr Druck. Tilman und Schick waren bei ihren Chancen aber nicht zwingend und der BVB steigert sich noch einmal. Fast wäre nach einer Stunde das 2:0 für den BVB aus einer spiegelverkehrten Situation im Gegensatz zum 1:0 erfolgt. Ryerson brachte diesmal einen Freistoß von links und Guirassy köpfte, doch Flekken reagierte prächtig und hielt das Ding.
Für Guirassy war es die letzte Aktion, Kovac nahm ihn runter und brachte Silva. Guirassy schien ziemlich sauer zu sein. Doch Kovac hatte alles richtig gemacht. Nur fünf Minuten später bediente Silve mit einer butterweichen Flanke Adeyemi am Elfmeterpunkt und der macht einen präzisen Kopfball rechts unten ins Eck zum 2:0.

Dass es am Ende noch einmal eng wurde, verdankte Bayer Leverkusen ihrem ehemaligen Kicker Brandt. Der hatte die dickste Chance auf 3:0 zu stellen. Er war von Nmecha hervorragend freigespielt worden und brachte den Ball aus 16 Meter nicht einmal aufs Tor, sondern schoss rechts vorbei.
So kam Leverkusen nach einem eher zufälligen Treffer zum 1:2 – Kofane hielt einfach irgendwie den Fuß in eine flache Flanke – noch einmal auf. Drehte das Eckenverhältnis von zu Beginn 0:3 noch auf 10:3 – brachte aber nichts wirklich Gefährliches mehr vor Kobels Tor.

Ein wichtiger Sieg für die Schwarzgelben, die sich damit auf Rang drei in der Tabelle vor Leverkusen geschoben haben. Besonders interessant wird sein, welche Lehren beide Teams aus dem Spiel mitnehmen. Am Dienstag trifft man sich schon wieder – in Dortmund zum Pokalschlager.
Text: Andreas Römer, Bilder: Bahho Kara/Kirchner-Media