Der BVB gewinnt das Duell gegen den Aufsteiger aus Hamburg nach einer katastrophalen Leistung in der ersten Hälfte dank einer extrem fulminanten Aufholjagd in der zweiten Hälfte mit 3:2 (0:2). Die Borussen bestrafen die Mannen aus der Hafenstadt dank zweier Elfmeter von Bensebaini einem Treffer von Silva (im Nachgang korrigiert auf Guirassy) und der Wucht des Westfalenstadions und drehen das Spiel innerhalb von 11 Minuten.
aus dem Westfalenstadion berichtet Oliver Römer
Als der HSV im Februar 2018 das letzte Mal vor seinem Abstieg ins Westfalenstadion kam, waren Batshuayi und Götze beim 2:0-Sieg der Borussen die Torschützen. Ein Hauch von Nostalgie gegen den Dino. Lange ist es her und das Hinspiel in dieser Saison beim HSV ging bekanntlich 1:1 aus, mit dem Gegentreffer in Minute 90 + 7. Das sollte heute möglichst vermieden werden, wenn man weiter zumindest Richtung Vizemeisterschaft strebt. „Wenn man anfängt, nachlässig zu sein, kann passieren, was man nicht möchte. Also werden wir fleißig sein.“, sagte Kovac auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den Aufsteiger. Mit einer Leistung wie gegen Augsburg könnte das dann auch gelingen.
Gleiche Startelf wie gegen Augsburg
Kovac stellt die gleiche Mannschaft von Beginn an auf das Feld, die auch gegen Augsburg erfolgreich war. Das heißt, weder Guirassy noch Silva in der Anfangsformation, dafür Beier und Adeyemi vorne. Dahinter reihen sich Nmecha, Bellingham, Ryerson, Svensson und Sabitzer im Mittelfeld. In der Abwehr mit Reggiani, Anton und Schlotterbeck. Im Tor natürlich Kobel. Schön für Reggiani, dass es für ihn weitergeht. Wohl auch eine Belohnung für seine Leistung gegen Augsburg.
HSV geht in Führung
In den Sondertrikots zu 100 Jahre Stadion Rote Erde geht’s los. Beier gleich mit der ersten Chance, aber Heuer Fernandes behält die Übersicht und wehrt den Ball aus kurzer Distanz ab. Der BVB verpasst es, den Druck auf das HSV-Tor aufrechtzuerhalten, und ein Angriff in der 18. Minute reicht dem HSV aus, um Kobel zu überwinden. 1:0 für den HSV. Svensson hatte zuvor den Ball auf der linken Seite verloren. Trainer Polzin hat seine Mannen gut eingestellt.

Jeder Konter gerät zur Großchance. So macht man einen Gegner stark. Ein Treffer nach einem Konter wird wegen Abseits zurückgenommen. Wieder Glück für den BVB. Der zahlreiche Hamburger Anhang tut sein Übriges dazu, der hier lautstark eine wilde Party feiert. Auf der Gegenseite gelingt der letzte Pass nicht und Abschlüsse sind rar gesät. Nun muss ein Foulelfmeter herhalten. Oder doch nicht. Der VAR kassiert ihn wieder ein.
Reggiani und Bellingham unglücklich
Die Flanken von Ryerson, die von rechts einen Abnehmer finden, werden ungenutzt vergeben. Plötzlich ist der HSV wieder vor dem Tor von Kobel. Durch einen Ballverlust von Reggiani der den Ball zu leicht hergibt und wohl heute nicht seinen besten Tag hat, und einen Ball, der dann von Bellingham nicht endgültig geklärt wird, ist der Ball dann am Ende im Tor von Kobel. 2:0 für den HSV. Hier ist nur eine Mannschaft giftig und ist körperlich auf der Höhe, und das sind die Männer aus Hamburg. Ob im Vorwärts- oder Rückwärtsgang.

Nmecha verschießt
Wieder ein Elfmeterpfiff. Beier wird im Strafraum gefoult. Nmecha tritt an. Und wie passend an so einem Tag. Er verschießt links neben das Tor. Was soll man dazu noch sagen? Das wird jetzt hier richtig eklig. Absolute Verunsicherung in Borussenreihen. Selbst Ryerson verstolpert einen Ball ins Seitenaus. Ein krasser Gegensatz zu letzter Woche. Das ist das, wovor Kovac gewarnt hat. Eine Halbzeit zum Vergessen. Und 45 Minuten kommen noch. Wenn jetzt von den Schwarzgelben nichts mehr kommt, wird es bitter. Pfiffe zur Pause begleiten die Schwarzgelben in die Kabine.
Guirassy und Bensebaini kommen
Reggiani geht runter. Bensebaini übernimmt. Adeyemi runter. Guirassy dafür drauf. Kovac hat zumindest personell reagiert. Nmecha mit der Möglichkeit, zu verkürzen. Aber auch hier kann Heuer Fernandes glänzen. Der BVB erspielt sich jetzt immer mehr Möglichkeiten. Silva und Chukwuemeka kommen für Svensson und Sabitzer. Beier versucht es aus der Distanz, aber auch der Ball geht am Tor vorbei. Die Minuten verrinnen. Der HSV rührt jetzt Beton an. Guirassy zieht über das Tor. Der Anschluss will nicht fallen.
Bensebaini und Silva gleichen aus
Nach VAR gibt es wieder Elfmeter. Diesmal tritt Bensebaini an. Der trifft trocken zum 1:2-Anschluss. Ist der BVB jetzt aufgewacht? Das Westfalenstadion jedenfalls ist es. Aber auch die Elf auf dem Platz tritt jetzt ganz anders auf.


Und der BVB setzt noch einen drauf. 2:2 aus dem Getümmel. Silva (Guirassy wurde im Nachgang als Torschütze gewertet) macht es, nachdem Heuer Fernandes noch zweimal gegen Guirassy klären konnte. Jetzt geht hier die Post ab und das Westfalenstadion brennt und entwickelt einen Druck, der jeden Gegner einschüchtert.
Bensebaini per Elfmeter zur Führung
Und wieder sind die Dortmunder vor dem Hamburger Tor. Erneut Elfmeter wegen Handspiels. Bensebaini tritt nochmals an. Wieder trocken ins rechte untere Eck. 3:2 für den BVB. Spiel gedreht. Wahnsinn, was für ein Tollhaus hier.

BVB spielt die Zeit runter
Sechs Minuten Nachspielzeit. Der BVB versucht jetzt, auf Zeit zu spielen. Jeder Ball wird jeweils zur Eckfahne getragen und dort fixiert. Nmecha geht, Brandt kommt zu seinem 300. Spiel. Und Schluss ist. Was für ein Comeback. Zwei absolut extrem unterschiedliche Halbzeiten mit dem besseren Ende für den BVB. Aber darüber wird, denke ich mal, von Kovacs Seite noch zu sprechen sein. Schade für den jungen Reggiani. Aber gut für ihn, dass das Spiel doch noch gewonnen wurde. Die Wucht, die hier im Westfalenstadion entwickelt wurde, war entscheidend, um dieses Spiel für den BVB zu drehen.
Kovac nach dem Spiel
„Der HSV hat in der ersten Halbzeit viel richtig gemacht. Wir haben definitiv zu langsam gespielt und keine Überzahlsituationen geschaffen. Das haben wir in der Pause angesprochen und gewechselt. Das Stadion und die Elf auf dem Platz haben dann so eine Power und Energie entwickelt. Die Art und Weise in der zweiten Halbzeit hat mir gefallen. Wir sind froh, mit einem Sieg in die Länderspielpause zu gehen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn du so ins Spiel zurückkommst. Ein Kompliment an die Mannschaft, sie haben in der zweiten Halbzeit das gespielt, was sie können und was die Fans lieben.“ Zu Reggiani: „Ich habe ihm einen Klaps gegeben. Das sind Momente, die zum Erwachsenwerden dienen, ein Reifeprozeß, den wir weiter begleiten werden.“
Weiter geht’s nach der Länderspielpause am 04. April beim VfB Stuttgart.
Text: Oliver Römer, Bilder: Stephan Münnich
