Der BVB gewinnt sein Heimspiel gegen den FC St. Pauli nach einer Achterbahnfahrt wie auf der Kirmes am Millerntor mit 3:2 (1:0). Das einzige was man heute den Borussen nicht vorwerfen kann ist, dass sie bis zum Ende an den Sieg glauben. Und dazu heute, so oft er auch kritisiert wurde. Einfach Emre. So wie er sich damals als Neuzugang vorgestellt hat. So wie man ihn nennen soll. So wie ein Kapitän vorangehen muss.

aus dem Westfalenstadion berichtet Oliver Römer

Aus dem Hinspiel, zum Auftakt der Saison (3:3), hat der BVB noch eine Rechnung offen. Das was sich durch die bisherige Saison gezogen hat, zeigte sich schon im ersten Spiel. Nicht nur das sich Mane zum Ende der Partie völlig unnötig durch ein Klammern im Strafraum die rote Karte abholte und einen Elfmeter verursachte, auch die eigentlich sicher geglaubte 3:1 Führung ließ man sich in den Schlussminuten per Doppelschlag noch entreißen. Heute wäre eine klarer überzeugender Sieg gegen den Tabellensiebzehnten an der Zeit, um die Schmach aus dem Hinspiel zu tilgen.

Ach ja, 25 Jahre The Unity, herzlichen Glückwunsch. Danke für 25 Jahre Motor der Süd.

Der BVB beginnt mit Kobel im Tor, Anton, Schlotterbeck und Can hinten, im Mittelfeld dann Bellingham, Nmecha, Svensson, Ryerson und Brandt, vorne mit Adeyemi und Silva der wieder den Vortritt vor Guirassy hat.

Zuerst dominiert Schwarzgelb

Die Borussen dominieren, nicht überraschend, von Beginn an das Spiel, müssen aber bei vielen unnötigen Ballverlusten das schnelle Umschalten der Paulianer in der Abwehr abfedern. Brandt scheint momentan noch nicht richtig auf dem Platz, da er eher durch Unkonzentriertheiten auffällt. Dann ist er aber auf der Höhe als er im Strafraum den Ball bekommt und sofort abzieht. Ein Hamburger rettet aber auf der Linie.

VAR nimmt Elfmeter für Pauli zurück

Auf der anderen Seite sieht erst Schlotterbeck die gelbe Karte und nach dem fälligen Freistoß zeigt der Schiedsrichter plötzlich auf den Punkt vor Kobel. Nach Ansicht der Bilder nimmt er aber seine Entscheidung zurück, da die Hand von Silva angelegt war. Trotzdem macht das den Jungs von der Reeperbahn Mut und das Spiel wird etwas offener. Adeyemi auf Seiten der Schwarzgelben scheitert in fast schon üblicher Manier mit einem Vorstoß, indem er sich den Ball zu weit vorlegt.

Freistoß am Sechzehner der Hamburger nachdem Brandt gelegt wurde. Der Gelegte zieht den Freistoß aber rechts am Tor von Vasilj vorbei. Jetzt sind die Hamburger wieder vor dem Tor von Kobel der in höchster Not retten muss. Adeyemi verpasst ein weiteres Mal nach einem langen Pass den Ball sicher zu kontrollieren und bleibt so in der Abwehr hängen.

Can zeigt Willen

Ausdruck des Willens ist heute einmal mehr Emre Can, der sich bei einem Vorstoß und einem heftigen Ziehen seines Gegenspielers nicht ausbremsen lässt und den Ball weiter trägt. Der Rest der Hälfte bleibt ein Hin- und Her, teilweise Stückwerk. Die Nachspielzeit von drei Minuten wird angezeigt.

Tor zum 1:0 durch Julian Brandt

Doch dann kommt Adeyemi doch noch mal auf links durch, passt in die Mitte und Brandt vollendet zum 1:0. Damit egalisiert Brandt seine Leistung bis hierhin. Die Führung ist gerade so verdient. Etwas schmeichelhaft ob der Chancen, die auch auf der anderen Seite da waren. Mit 60% Ballbesitz geht es in die Pause.

Zu Beginn mehr Intensität vom BVB

Die zweite Hälfte beginnt der BVB mit mehr Intensität, Geschwindigkeit und drückt St. Pauli in die eigene Hälfte. Nach Doppelpass und guter Vorarbeit von Silva ist es Adeyemi der nur noch zu 2:0 einschieben braucht. Die Hamburger kommen kaum zum Durchatmen.

Tor zum 2:0 durch Karim Adeyemi nach Vorlage von Fabio Silva

Doch noch ist nicht alles Gold was glänzt. Schlotterbeck lässt sich nach einer einfachen Ballannahme am Mittelpunkt den Ball abjagen. Den daraus resultierenden Konter und anschließende Ecke nutzen die Hamburger durch Sands zum 2:1 Anschluss. Da hat sich Schlotterbeck im Vorfeld abkochen lassen. Und da fliegt die nächste Ecke der Paulianer in den Strafraum der dann aber knapp über die Latte geht. St. Pauli wird stärker, irgendwie kann der BVB nicht dagegenhalten. Warum auch immer.

Jones gleicht aus

Dreifachwechsel beim BVB. Couto, Guirassy und Beier kommen für Silva, Adeyemi und Ryerson. Dann ist aber wieder Pauli an der Reihe. Nach einem Freistoß von rechts gleicht Jones zum 2:2 aus. Der ist gerade erst eingewechselt worden. Das macht einen sprachlos. Eine gewisse Naivität in den schwarzgelben Reihen machte sich breit. Kobel steht immer öfter im Mittelpunkt. Völlig fahrig und verunsichert tritt der Tabellenzweite hier im eigenen Stadion auf.

Fast kein Durchkommen

Chukwuemeka und Özcan kommen für Nmecha und Brandt. Den ersten „Entlastungsangriff“ schließt Guirassy übers Tor ab. Noch fünf Minuten sagt die Uhr. St. Pauli steht jetzt massiv in der Abwehr, lauert auf Konter. Die Borussen verzetteln sich immer wieder in der Hälfte der Hamburger.

Am Ende, einfach Emre

Dann kurze Zeit nach einer Szene im Strafraum der Hamburger, wird der VAR heute abermals herangezogen. Der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoß. Emre Can tritt an. Can hat noch keinen Elfmeter verschossen. Er trifft ganz abgeklärt unten rechts ins Eck. Den musst du erst mal machen. Das Stadion rastet aus. 3:2 für den BVB. Ob gerecht oder ungerecht ist mir egal.

St. Pauli greift noch ein paar mal an. Schlotterbeck drischt den Ball weit auf die Pressetribüne. Dann der erlösende Schlusspfiff. Der BVB gewinnt durch einen Elfmeter in aller letzter Minute. Über das wie, kann man zurecht streiten.

Kovac nach dem Spiel

Wir haben gewusst das St. Pauli schwierig zu bespielen ist. Das haben wir heute auch gesehen. Die nötigen Räume zu finden war nicht einfach. Die zweite Halbzeit war gut bis zum 2:0, danach haben wir es verpasst auf dem Gaspedal zu bleiben. St. Pauli wurde dann stärker.

Für uns ist es gut gelaufen, für Pauli weniger.

Das du am Ende das Ding hier ziehst, das bedeutet die Mannschaft hat trotzdem den Willen, den Glauben, das haben wir jetzt gegen Frankfurt geschafft in der Nachspielzeit, das Ding nochmal auszubügeln. Heute da haben wir gewonnen. Jetzt gehn wir mit einem positiven Ergebnis nach London. Der Sieg ist für uns sicherlich sehr wichtig.

Das nächste Spiel

Weiter geht es am Dienstag in der Champions League um 21:00 Uhr in London bei Tottenham Hotspur.

Text: Oliver Römer, Bilder: Bahho Kara, Kirchner Media und Oliver Römer