Der BVB schlägt den Tabellenletzten aus Heidenheim mit 3:2 und hatte sogar ein bisschen Glück dabei. Überzeugend war der Sieg in jedem Fall nicht.

Aus dem Westfalenstadion berichtet Andreas Römer

Vor genau einem Jahr hat Trainer Nico Kovac bei Borussia Dortmund den Trainerposten übernommen. Er hat die Mannschaft stabilisiert und tatsächlich in der Bundesliga ziemlich weit nach oben gebracht. Mit dem Sieg am Sonntagnachmittag verkürzten die Schwarzgelben den Abstand zu Spitzenreiter Bayern auf sechs Zähler – vor zwei Wochen waren es noch elf.

Doch die Leistung der ersten Halbzeit war wirklich nicht die eines Bayernjägers. Der Tabellenletzte aus Heidenheim schaffte es, dem Tabellenzweiten im eigenen Stadion seinen Fußball aufzuzwingen. Lang und schmutzig hinten raus: Nur lange Bälle. Der Torwart als erster Aufbauspieler. Lange Bälle, mehr eben nicht. Und der BVB? Da kam nicht viel. Die vierbeinige Abwehr der Heidenheimer machte es den Schwarzgelben schwer.

Aber der BVB muss sich auch an die eigene Nase fassen. Zu wenig kam von der eigenen Mannschaft. Zu viele schlampige Bälle, hier in den Rücken des Mitspielers, dort der Pass zu kurz. Dauernd mussten die Jungs von Trainer Kovac sich mühen, überhaupt den Ball unter Kontrolle zu bringen. Da war an einen gelungenen Spielaufbau kaum zu denken.

Ringkampf im Strafraum

Robust nennt man das sicher, was die Gäste hier anboten. Selbst immer hart am Mann, fielen sie im eigenen Angriff bei fast jedem Zweikampf und ließen sich gern behandeln. Was sich mittlerweile in den Strafräumen bei einer Ecke abspielt, erinnert eher an Rugby. Es wird geschoben, geschubst, gezerrt das es nur so eine Freude ist. Und das alle bevor der Ball überhaupt unterwegs ist. Dir Ringkämpfe zwischen Nmecha und Pieringer waren hier ein Dauerbrenner.

Und Ecken gab es einige. 8:1 Ecken lautet die Bilanz zur Halbzeit. Von den acht BVB-Ecken war nur eine tatsächlich gefährlich. Zu einfach scheint es für die Gegner mittlerweile zu sein, die Borussenecken auszulesen. Der Ball kommt immer an den zweiten Pfosten, wo Schlotterbeck und Anton lauern. Wenn dann nicht aufgrund der zahlreichen Ringkämpfe sowieso längst abgepfiffen ist, passiert da auch nicht viel, weil alle genau mit diesem Ball rechnen.

Die achte Ecke in der 44 Minute war dann etwas anders: Der Ball kam etwas kürzer, Guirassy, Heidenheims Mainka und Torwart Ramaj gingen hoch, der Torwart fing den Ball, ließ ihn aber wieder fallen und Anton haute das Ding aus kurzer Entfernung ins Tor. Natürlich waren die Protest groß, Heidenheim sah den eigenen Keeper angegangen. Doch auch der VAR hatte nichts zu meckern. Nicht jedes Mal wenn ein Torwart, den Ball nicht fangen kann, ist einen Gegenspieler schuld. 1:0!

Dumm gelaufen

Direkt nach dem Anstoß spielten die Gäste über die linke Seite Honsak wurde von Mane verfolgt. Der junge Mann in der Dreierkette hatte bis dahin vor allem mit seiner Schnelligkeit überzeugt, die meisten Bälle souverän abgelaufen. Doch jetzt schoss im einer Schmerz in die Glieder, er fiel und Honsak konnte in aller Ruhe fast bis zur Grundlinie laufen, den Ball nach innen geben. Svensson sah dann unglücklich aus, hatte den Ball und hatte ihn doch nicht. Niehus drückte den Ball im Liegen aus drei Metern über die Linie. So ging es mit 1:1 in die Kabine.

Nach Chancen hätte es auch durchaus höher stehen können. Heidenheim hatte eine dicke Möglichkeit von Dinkci, der aus elf Metern an Kobel scheiterte. Ein Kopfballtor von Mainka wurde nicht anerkannt, da sich der Heidenheimer körperlich zu sehr gegen Kobel eingesetzt hatte. Für den BVB standen auch noch Chancen auf dem Zettel. Guirassy scheitere aus spitzem Winkel an Ramaj und setzte mit einem schicken Lupfer den Ball an die Latte.

Kurz und schlecht: Es gab nicht so viel, was einen Unterschied zwischen Tabellenplatz 2 und Tabellenplatz 18 deutlich gemacht hätte.

Das setzte sich sogar in der zweiten Halbzeit fort. Süle kam für den verletzten Mane und ließ sich gleich ein paar mal von Ibrahimovic, der für Honsak gekommen war, verladen. In der 47. Minute machten dann auch die anderen Verteidiger auf BVB-Seite ein Schläfchen. Ibrahimovic umkurvte gleich drei oder vier, legte den Ball quer und Niehus knallte das Ding aus 22 Metern in die Maschen. Wieder war Svensson beteiligt, sein Knie lenkte den Ball unhaltbar für Kobel ab.

In den nächsten Minuten spielte dann erst einmal nur Heidenheim. Nix mehr lange Bälle, sie kontrollierten das Spiel und hätten um ein Haar das 3:1 erzielt. Pieringer köpfte aber aus vier Metern freistehend drüber. Eine Szene, der Trainer Schmidt hinterher noch nachtrauerte: „Er konnte sich die Ecke aussuchen.“

Guirassy rein und wieder nicht rein

Doch der BVB fing sich noch einmal. Es schien aber, als brächten sie den Ball ums Verrecken nicht mehr rein. Im Strafraum lief es teilweise wie in einer Flippermaschine, aber es schien wie verhext. Dann halfen Heidenheim und der VAR mit. Dorsch bekam im Strafraum den Ball an die Hand – Elfmeter. Es sah zunächst so aus, als wollte Kapitän Schlotterbeck antreten. Doch er wollte nur keine Diskussionen. Als sich all verdrückt hatten, übergab er an Guirassy.

Guirassy hat bereits vier Elfer für den BVB vergeigt. Diesmal haute er das Runde aber humorlos rechts ins Eckige. 2:2 Nur zwei Minuten später durfte der Stürmer schon wieder jubeln. Beier, der den schwachen Adeyemi abgelöst hatte, stürmte auf der rechten Seite an seinem Gegenspieler vorbei und bediente Guirassy am Fünfmeterraum. Abgefälscht von Siersleben brachte der Stürmer den Ball zum 3:2 ins Tor.

Warum aber sonst Can die Elfmeter schießt, zeigte Guirassy eine Viertelstunde später. Selbst gefoult worden, wieder VAR (Gäähn) und dann trat er wieder an: Und versemmelte irgendwie kläglich, weit über das Tor. Nummer 5 also.

In der achtminütigen Nachspielzeit hatten die Gäste dann sogar noch zwei richtig dicke Chancen. Eine weite Flanke von rechts nahm Ibrahimovic volley und setzte sie rechts neben das Tor. Eine weitere Flanke nahm Kaufmann und drosch den Ball aus sieben Metern über das Tor. Kein Wunder, dass Frank Schmidt später drei klaren Chance hinterherjammerte und von einem 3:3 als gerechtes Ergebnis sprach.

So bleibt es dabei, dass der BVB Spiele gewinnt, die er in den Vorjahren häufig nicht gewonnen hat. Damit mogelt man sich ein Stückchen näher an die Bayern ran und hat zu Platz 5 – an dem es ja nicht mehr in die Champions League geht – bereits 9 Punkte Vorsprung.

Text: Andreas Römer, Fotos: Kirchner Media, Bahho Kara