Borussia Dortmund muss in die Play-Offs der Champions League. Im letzten Spiel der Ligaphase verliert der BVB im eigenen Stadion gegen Inter Mailand mit 0:2 (0:0). Die Kovac-Elf begann gut, hatte die Führung auf dem Fuß und verteidigte in der Folge alles, was möglich war. Bei einem sehenswert getretenen Freistoß von Dimarco (81.) war aber auch Kobel im Dortmunder Tor machtlos. Den Schlusspunkt setzte Diouf in der Nachspielzeit.
Aus dem Westfalenstadion berichtet Falk-Stéphane Dezort
Die Vorzeichen vor dem Endspiel in der Champions League Ligaphase waren für den BVB alles andere als vielversprechend. Gegen Inter Mailand musste zwingend ein Sieg her, und es brauchte viel Schützenhilfe. Zudem ging Coach Nico Kovac das Personal aus. Gerade einmal vier Feldspieler nahmen auf der Bank Platz. Außer Sabitzer und Süle fehlte kurzfristig erkrankt auch Anton. Einerseits musste bekanntlich Leihspieler Anselmino zurück zum FC Chelsea, und anderseits wurde Duranville nach Basel verliehen. So war der Kader – vor allem defensiv – Spitz auf Knopf genäht. Schlotterbeck wurde in der Dreierkette von Kapitän Can und CL-Debütant Mane flankiert.

Guirassy verpasst die Führung
Doch der BVB zeigte sich zunächst unbeeindruckt von der Gesamtkonstellation. Im ausverkauften Westfalenstadion übernahmen die Westfalen zunächst das Spiel und hätten nach elf Minuten in Führung gehen können – nein sogar müssen. Nach einer Ecke von rechts, die zunächst abgewehrt wurde, landete in Folge einer erneuten Hereingabe von Ryerson der Ball plötzlich beim am Fünfmeterraum komplett frei stehenden Guirassy. Doch der Guineer trat über den Ball – zur großen Verwunderen der über 80000 Zuschauer im Tempel.
Inter hingegen schien von der Szene wachgeküsst worden zu sein und wurde nun selbst deutlich aktiver – übernahm fortwährend auch die Hoheit beim Ballbesitz. Richtig gefährlich wurden die Italiener bei ihren Abschlüssen von Bonny (14., 42.) oder Bisseck (29.) jedoch nicht.
BVB nahm den Fight an
Der BVB nahm das Spiel an und fightete – jeder gewonnene Zweikampf, jede Grätsche (insbesondere von Mane) wurden gefeiert wie ein eigener Treffer. Nach der wilden Anfangsphase fanden die Schwarzgelben aber nur selten den Zug zum Tor. Ein Kopfball von Silva nach Ryerson-Freistoß war da schon das höchste der Gefühle (41.). Jedoch war zur Pause mit Blick auf die anderen 17 (!) Partien am letzten Spieltag klar – Stand 45. Minute brauchte der BVB (nur) ein Tor, um als Achter noch das direkte Viertelfinal-Ticket zu buchen.

Offenbar Polizeieinsatz gegen BVB Ultras
Die beiden Teams kamen unverändert aus der Pause. Dafür hatte sich etwas auf der Süd getan. Nachdem im ersten Durchgang in den Blöcken 12 und 13 keine Zaunfahnen und Fahnen geschwenkt wurden, erstrahlte die Gelbe Wand pünktlich zur zweiten Hälfte. Der Grund für die fehlenden Fahnen war offenbar ein groß angelegter Polizeieinsatz gegen die Dortmunder Ultras vor der Partie an der Westfalenhalle.
Zurück zum Spiel: Der BVB kam gut aus der Kabine und suchte wie schon zu Spielbeginn den Weg in die Spitze. Allerdings fehlte es bei einigen durchaus aussichtsreichen Situationen an der letzten Konsequenz und Passgenauigkeit. Der oft zitierte letzte Pass kam nicht an. Der Zug nach vorne eröffnete aber auch den Gästen wieder mehr Räume, die durch Bonny nach 64. Minuten beinahe zu ihrer besten Torchance gekommen wären. Nach einem Ballverlust im Aufbau landete der Ball bei dem Angreifer, der gut zum Tor stand. Aber Bensebaini war noch im letzten Moment mit einem Monstertackling zur Stelle.

Sommer hauchzart vor Adeyemi
Kurz darauf reagierte Kovac und brachte den schnellen Adeyemi für den glücklosen Guirassy. Und beinahe hätte es geklingelt. Aber Sommer im Inter-Kasten war einen Tick eher am Ball und verhindert die Dortmunder Führung durch den frisch eingewechselten Wuschelkopf (71.). Zu diesem Zeitpunkt hätte der BVB für Platz 8 aber ohnehin fünf Tore benötigt, da Titelverteidiger Paris St. Germain mit plus zehn zu plus fünf das deutlich bessere Torverhältnis gehabt hätte. Ich weiß: viel Konjunktiv.
Nun wogte das Spiel wieder in die andere Richtung. Denn auch für Inter ging es noch ums Viertelfinale. Die Gäste wurden wieder stärker und schnürten den BVB zeitweise an dessen eigenen Strafraum ein. Aber irgendwie gelang es den Schwarzgelben immer wieder noch ein Abwehrbein in den Weg zu stellen, sodass sich die Mailänder an der Dortmunder Defensive ihre Zähne ausbissen. Und wenn dann doch mal ein Schuss durchkam, war Kobel zur Stelle.

Dimarco ins Dortmunder Herz
Bis zur 81. Minuten. Beim zauberhaft getretenen Freistoß von Dimarco war der BVB-Schlussmann ohne Chance. Aber diesen Standard hätte es (mal wieder) nicht geben müssen. Vorangegangen war ein einfacher Ballverlaust an der Seitenlinie von Bensebaini, und Nmecha konnte sich an der Strafraumkante in der Folge nur noch mit einem Foul behelfen.
Als direkt danach Bensebaini und Silva ausgewechselt wurden, spürte man, dass im Stadion niemand mehr an einem mögliche „magische CL-Nacht“ glaubt. Als Nobby Dickel die Auswechslungen bekanntgab, blieb es bei den Namen so still wie selten. Auch wenig später, als er bei Bekanntgabe der fünf minütigen Nachspielzeit ein „wir schaffen das“ ins Mikro brüllte, gab es mehr ein Lachen und Raunen als ein lautes Westfalenstadion. Zu allem Überfluss setzte der eingewechselte Diouf dann in der 92. Minute den Schlusspunkt zum 0:2.
Während aus dem Stimmungsblock der Süd aufmunternde Rufe kamen (Es gibt nie einen anderen Verein), waren auf den anderen Tribünen Piffe zu vernehmen, zudem war viele schon auf dem Heimweg als der rumänische Schiedsrichter die Partie beendete. Heut haben sie sich deutlich gezeigt: die Erfolgsfans.

Bergamo oder Leverkusen? Hauptsache Viertelfinale!
Kovac war nach dem Spiel ebenfalls bedient. „Es war ein zähes Spiel. Beide Teams haben abgewartet. Das musst du dann halt auch 0:0 spielen.“ Phasenweise habe man zu viel Respekt vor dem Namen Inter Mailand gehabt. „Das war überhaupt nicht nötig. Wir haben oft die falsche Entscheidun getroffen.“ Letztendlich beendet der BVB die Ligaphase auf Rang 17 und trifft auf Atalanta Bergamo oder Ligakonkurrent Bayer Leverkusen. Die Auslosung ist am Freitag. „Egal gegen wen du spielt, Champions League ist Champions League. Um ins Achtelfinal zu kommen, musst du irgendwo dann auch gewinnen.“
